„Die Qualität der Begegnung zwischen Menschen ist entscheidend.”
Interview mit Thomas Meier BFW-Verbandspräsident und Geschäftsführer der Pfeuffer Immobilien, Verwaltung & Management GmbH in Nürnberg.

- Stichwort Qualität: In Ihren Reden und Textbeiträgen taucht dieser Begriff häufig auf. Welchen Stellenwert genießt Qualität in der Verbandsarbeit des BFW?
In unserer Branche kann jeder, der lesen und schreiben kann, eine Immobilienverwaltung übernehmen. Deswegen ist es so wichtig, anders zu sein als die anderen. Vor allem: angenehmer anders zu sein als die anderen. Und dieser Unterschied muss messbar sein – als echtes Qualitätskriterium. Das gilt für alle Bereiche des Lebens: Die Qualität der Begegnung zwischen Menschen ist entscheidend, wie wir miteinander umgehen – privat wie beruflich. Das nehmen wir auch in unserer Verbandsarbeit ernst: Wir stellen den Anspruch an unsere Mitglieder, sich in ihrer Arbeit an bestimmten Werten zu orientieren. - Diese Werte kommunizieren Sie auch in den BFW-Publikationen: Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Einsatzwille, Zuverlässigkeit, Partnerschaft und Lebensfreude. Wie ist diese Werteorientierung zustande gekommen? Und wie prägt sie die Arbeit im Alltag eines Fachverbandes?
In einem längeren Prozess hat sich die Verbandsspitze in mehreren Workshops mit dieser Thematik beschäftigt und letztlich diese sechs Begriffe definiert. Wir haben dazu intensiv diskutiert und um jedes Wort gerungen. Ganz bewusst wollten wir eine bestimmte Kultur im Verband etablieren – als Gesprächskultur, als Verhaltenskultur. Denn Kultur verstehen wir als Summe der gelebten Werte. Deshalb haben wir uns einen verbindlichen Kanon gegeben und innerhalb dieses Kanons wollen wir uns auch tagtäglich bewegen.
Auch als Vorgabe für die Unternehmenskultur bei unseren Mitgliedern. Stellvertretend dafür stehen die sechs ausgewählten Werte, die sich gegenseitig auch bedingen. Zum Beispiel Glaubwürdigkeit: Unsere Unternehmen sind Treuhänder großer Vermögen, mit einer großen Verantwortung, der sie auch gerecht werden wollen. Wer sich positiv vom Wettbewerb abheben will, muss also glaubwürdig agieren und dies auch im Alltag unter Beweis stellen. Messbar und überprüfbar. - Provokant gefragt: Ist ein Ehren-Kodex nicht nur für Sonntagsreden und Zeitschriftenbeiträge? An die „Zehn Gebote“ hält sich auch nicht jeder… Welche Erfahrungen sammeln Sie hier mit Mitgliedern und Neumitgliedern?
Anfangs war es nicht leicht, dies zu kommunizieren. Denn eigentlich behauptet jeder von sich, diese Werte permanent zu beherzigen. Viele sagen, das seien doch Selbstverständlichkeiten. Wer allerdings an der Oberfläche kratzt, entdeckt schnell, dass es sich meist um Lippenbekenntnisse handelt und eben nicht nach diesen Prinzipien gelebt und gehandelt wird. Beim Thema Zuverlässigkeit wird dies schnell deutlich. Dazu zählt die Pünktlichkeit. Wer ist denn wirklich pünktlich?
Egal ob bei Vorstandssitzungen oder bei Eigentümerversammlungen: Es gibt immer die notorischen „Zuspätkommer“, die den anderen, die pünktlich waren, die Zeit stehlen. Da ist es in unserem Metier ganz wichtig, darauf zu achten. Mittlerweile hat sich im BFW herumgesprochen, dass unsere Veranstaltungen und Seminare wirklich pünktlich beginnen. Das ist auch ein Zeichen von Wertschätzung, pünktlich zu sein und die anderen nicht warten zu lassen. - Ist die Mitgliedschaft im BFW bereits heute ein Gütesiegel? Wie sehen dies die Mitglieder?
Ja. Mit der Einführung des Verhaltens- und Ehrenkodex haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir als Verband daran gemessen werden und eine BFW-Mitgliedschaft am Markt wie ein Gütesiegel betrachtet wird. Wer dagegen verstößt, wird – im schlimmsten Fall – auch ausgeschlossen. Nur so wird deutlich, dass wir es ernst meinen – auch als Instrument zur Marktbereinigung. Der Kodex ist keine Makulatur, sondern eine echte Richtschnur unseres Handelns. - Der BFW hat zahlreiche Kooperationen und strategische Allianzen geschlossen. Was war die langfristige Motivation?
Wir können auch in Zukunft nur gut sein, wenn wir gut organisiert sind. Als Verband bedeutet das, dass wir nicht alles alleine leisten können, sondern Partner zur Wertschöpfung brauchen. Der BFW hat deshalb Kooperationen mit zahlreichen Unternehmen geschlossen, die Dienstleistungen rund um das „Produkt“ Immobilie anbieten – zum gegenseitigen Nutzen, für eine erfolgreiche Arbeit. Nur so können wir für unser „Produkt“, die Verwaltung von Immobilien, den höchsten Mehrwert erzielen.
Kaum ein Produkt hat eine vergleichbar lange Lebensdauer wie Immobilien. Als Verwalter sind wir der Mittler und der Beziehungsmanager zwischen der Immobilie und den Menschen. Überspitzt gesagt: Egal, was wir als Menschen machen, wenn wir leben, arbeiten, essen, schlafen – alles geschieht in Immobilien. Ganz elementar betrachtet. Wir wollen das Thema Immobilien in unserer Gesellschaft stärken und insgesamt den Stellenwert von Immobilien erhöhen. Hier herrscht noch echter Nachholbedarf. Daran werden wir die nächsten Jahre intensiv arbeiten.
Das Interview führte Deniz Bolten für das BFW-Magazin

