Landestagung des BVI-Bayern am 17./18.11.2011 in Nürnberg
Trinkwassernovelle, Heizkostenverordnung und mehr
Das Maritim-Hotel in Nürnberg war erneut Treffpunkt der Teilnehmer der Landestagung des BVI-Bayern. Hochinteressante Themen lockten eine hohe Besucherzahl an. Nach der Begrüßung durch den Landesbeauftragten Werner Brückner und den Präsidenten des BVI, Thomas Meier, startete Rechtsanwalt Rüdiger Fritsch aus Solingen mit dem wohl brisantesten Thema der Tagung, der neuen Trinkwasserverordnung.
Alle Wohnungseigentümergemeinschaften, in denen Wohnungen vermietet werden, müssen nach der neuen Trinkwasserverordnung einmal pro Jahr auf Legionellenkeime untersucht werden, wenn sie einen Warmwasserspeicher mit mindestens 400 Litern Inhalt und/oder Leitungslängen mit einem Inhalt von drei Litern und mehr aufweisen. Diese Liegenschaften sind unverzüglich den Gesundheitsämtern zu melden. Die Versicherungsgesellschaft Caninenberg & Schouten GmbH hat für Fälle der Veruntreuung von Rücklagengeldern durch den Firmeninhaber ein Konzept zur Absicherung der Eigentümergemeinschaften entwickelt. Die Vertrauensschadenversicherung ist schon für sehr geringe Beitragssätze, jedoch nur für Mitglieder des BVI erhältlich.
Reinhold Okon, Datenschutzbeauftragter des BVI, brachte den Zuhörern die Problematik der E-Mail-Verschlüsselung und -dokumentation nahe. E-Mails, die sensible Daten enthalten, müssen verschlüsselt werden.
Instandhaltung und bauliche Veränderung
Zu dem stets brisanten Themenkomplex Instandhaltung, modernisierende Instandhaltung und bauliche Veränderungen nahmen Thorsten Woldenga, Vorstandsmitglied des BVI, und Rechtsanwalt Horst Müller aus München Stellung. Wo Woldenga auf Grundsätzliches einging, berücksichtigte Müller speziell die Umlagemöglichkeit von Kosten auf die Mieter.
Andreas Konecny von Techem Energy Services ging ausführlich auf § 9 Abs. 1 der gültigen Heizkostenverordnung ein. Ab dem 1. April 2014 müssen Wärmezähler installiert werden, die die Energiemenge zur Aufbereitung des Warmwassers erfassen.
Der erste Seminartag endete mit einem Dämmerschoppen von Caninenberg & Schouten und einem Nachtmarsch durch den Nürnberger Tiergarten. Dem schloss sich ein schmackhaftes Abendbuffet mit schauspielerischen Darbietungen an. Am nächsten Morgen eröffnete BVI-Präsident Thomas Meier die Veranstaltung mit einem Vortrag über Markenbildung. Fragen nach Zielgruppen und Marketing-Lösungen regten die Zuhörer dazu an, sich Gedanken über das Besondere und Einzigartige ihrer Dienstleistung zu machen.
Jahresabrechnung
Prof. Dr. Florian Jacoby von der Universität Bielefeld ging auf die Entscheidung des BGH vom 04.12.2009 ein. Sie besagt, dass Rücklagen nicht als Kosten bzw. Ausgaben in die Abrechnungen einzustellen sind.
Dr. Stefan Demel aus Regensburg ist Coach, Psychotherapeut und Arzt. In seinem Vortrag erläuterte er, wie es zu Stress kommt und wie dieser vermieden werden kann.
Die Neuregelung von § 22 Abs. 1 WEG als Folge der Novellierung des WEG wurde von Prof. Dr. Stefan Hügel, Notar aus Weimar, kommentiert. Ob bauliche Veränderungen über den Beschlussweg oder lediglich durch Einholung von Zustimmungen der durch bauliche Veränderungen benachteiligten Eigentümer erfolgen können, gibt auch im Kreise der Fachjuristen Anlass zu Diskussion.
Utz Geßner von der Cofeley Deutschland GmbH erläuterte, wie mit geringinvestiven Maßnahmen 20 Prozent Energie bei der Wärmeerzeugung eingespart werden können.
Den letzen Vortrag bestritt Dr. Olaf Riecke, Richter am AG Hamburg-Blankenese, zu Rechtsprechungsänderungen. Nach einem BGH-Urteil vom 28.09.2011 muss der Mieter durch die Ankündigung von Modernisierungsarbeiten in die Lage versetzt werden, sich ein realitätsnahes Bild von den beabsichtigten Maßnahmen zu machen. Die Erwartungen der Zuhörer erfüllte die Landesveranstaltung des BVI Bayern in höchstem Maße. Im Zuge der Verabschiedung äußerte der Landesbeauftragte Brückner die Hoffnung, die Anwesenden wieder als Gäste begrüßen zu dürfen und bedankte sich bei den Sponsoren und Ausstellern, ohne die die Durchführung einer solchen Veranstaltung nicht möglich wäre.
Werner Brückner
Foto: BVI

