Peter Patt kommentiert

Auswirkungen der Zuwanderung

Die TAG Immobilien befragte gemeinsam mit der TU Darmstadt repräsentativ tausend Mieter zum Umgang mit Mitbewohnern. Jeder Zweite kennt den Nachbarn nicht, auch wenn er überwiegend zufrieden mit seinen Mitbewohnern ist (www.tag-ag.com). Das mit dem Kennenlernen des Nachbarn wird angesichts der steigenden Zuwanderung auch nicht so leicht sein.

Sprachliche und kulturelle Unterschiede können das Zusammenleben befruchten oder belasten – weniger, wenn es vereinzelte Mitbewohner aus anderen Ländern sind, mehr, wenn sich gar Ghettos bilden. Die neuen Nachbarn kommen überwiegend aus folgenden Nationen: Türkei, Polen, Italien, Griechenland, Rumänien, Kroatien, Russland, Serbien, Österreich, Kosovo. Die Hintergründe des Hierseins sind unterschiedlich: Vertreibung, Familienzusammenführung, Flucht, innereuropäische Freizügigkeit, wirtschaftliche und soziale Überlegungen usw.

Immer mehr Kunden kommen aus dem Ausland

Zunehmend werden ausländische Mitbürger und Bürger mit Migrationshintergrund auch Mit-/Eigentümer in und an den Immobilien. Zwar liegt die Eigentumsquote noch unter 60 Prozent der Gruppe ohne Migrationshintergrund, doch ist der Zuwachs doppelt so hoch. In jüngster Zeit dürfte sich der Zuwachs unter den aus Europa stammenden Wohnnachbarn angesichts der robusten deutschen Konjunktur noch verstärkt haben, denn die Rückkehrorientierung reduziert sich mit Blick auf die größer werdenden Wohlstandsunterschiede. Man kann die dabei bei ausländischen Mietern und Eigentümern feststellbaren steigenden Ansprüche an die eigene Wohnsituation (größere Wohnungen oder Stadtviertel mit höherem Preisniveau) als Zeichen der Integration interpretieren und sollte sich als Verwalter auf neue Kundschaft einstellen. Die zunehmende Aufenthaltsdauer und die höhere Erwerbsneigung werden zukünftig auch zu einer Erhöhung des Erbschaftsanteils von Immobilien führen.

Verwalter stehen vor neuen Herausforderungen

Was sind die Aufgaben infolge solcher Durchmischung von Wohnanlagen mit Bewohnern unterschiedlicher nationaler Herkunft? Wir kennen die Probleme mit Satellitenschüsseln und die Sprachbarrieren, das unterschiedliche kulturelle Leben mit anderen Aktiv- und Ruhezeiten oder die fremden Gerüche in den Häusern und Gärten. Wie aber vermeidet man Konflikte von muslimischen Eigentümern oder Mietern mit weiblichen Verwaltungsmitarbeitern? Wie erklärt man den gesellschaftlichen Grundkonsens, Gesetze und Normen auch einzuhalten? Welche Bedeutung messen die Bewohner den Zahlungsvereinbarungen bei der Durchsetzung individueller Wünsche bei? Vor allem aber: Wie differenziert man bei Kunden und Bewohnern, gleich welcher Herkunft, ideologiefrei?

BVI unterstützt bei Integration und Interessensausgleich

Der BVI wird sich diesem Thema stärker widmen und will zur Integration beitragen. Spannend bleibt dabei die Diskussion nach der Leitkultur und dem Leitbild des Zusammenlebens, also letztlich die Frage, wie stark sich unsere Heimat und unser Land verändert, verändern darf, verändern soll. Wir Verwalter haben, weil wir das Zusammenleben der Menschen in weiten Bereichen organisieren, eine große Verantwortung am Gelingen der Integration. Dabei wird uns auch unser dickes Fell helfen können, mit dem wir die Übersicht in einer Wohnanlage zu bewahren und unterschiedliche Interessen auszutarieren beauftragt sind.

P.S. Die meisten Ausländeranteile gibt es übrigens bei Studenten. Dort ist die Eingliederung auch regelmäßig am höchsten, sowohl sprachlich als auch kulturell. Vielleicht kann man die Erfahrung von Studentengruppen und Studentenwerken für den Ausgleich in unseren Wohnanlagen nutzen?

Peter Patt
peter.patt@bvi-verwalter.de

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