Darauf muss auch die Wohnungswirtschaft reagieren

Die Mediennutzung wandelt sich

Dietmar Schickel, Geschäftsführer der Tele Columbus Gruppe, im Gespräch mit dem BVI-Magazin zu den aktuellen Entwicklungen im Medienmarkt.

Herr Schickel, mit dem 30. April naht die Abschaltung der analogen Fernsehverbreitung per Satellit. Unter vielen Verbrauchern und Mietern hat der Termin für große Unruhe gesorgt. Sind Sie auf diesen
Tag vorbereitet?

Wir haben uns schon seit langer Zeit auf diesen Tag vorbereitet und in den vergangenen Monaten alles unternommen, um unsere Kunden zu beruhigen: Tele Columbus stellt allen Nutzern auch nach dem 30. April 2012 ein umfangreiches analoges Angebot über den Kabelanschluss zur Verfügung. Möglich ist dies durch ein spezielles technisches Verfahren: Die digitalen Quelldaten der TV-Sender werden in analoge Signale umgewandelt und parallel zum digitalen Angebot in die Kabelnetze eingespeist. Unsere Kabelkunden müssen also keine Angst haben, am 30. April 2012 vor einem schwarzen Bildschirm zu sitzen — sie können ihre gewohnten TV-Geräte weiterhin nutzen und müssen nichts unternehmen.

Wie lange wird es noch mit dem analogen TV-Empfang in den Kabelnetzen weitergehen?

Das ist eine Frage, die wir gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern in der Immobilienwirtschaft entscheiden werden. Derzeit schätzen offensichtlich noch rund 60 Prozent der Kabelzuschauer das einfache Plug-and-Play des analogen Fernsehens — und das Breitbandkabel ist künftig der einzige TV-Übertragungsweg, der das gesamte Spektrum des analogen, digitalen und hochauflösenden Empfangs bieten kann. Aufgrund der großen Leistungsstärke eines professionell betriebenen Kabelnetzes besteht auch keine Notwendigkeit, etwas daran zu ändern: Wir können gleichzeitig den analogen Bedarf stillen und das Programmangebot im digitalen und hochauflösenden Bereich erweitern.

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF nutzen die durch die analoge Abschaltung frei werdenden Kapazitäten, um im Mai eine Reihe neuer HDTV-Programme zu starten. Kommen auch Ihre Kunden in den Genuss des erweiterten Angebots?

Wir sehen HDTV als wichtigsten Treiber für die Digitalisierung und als großen Mehrwert für unsere Kunden. Daher werden wir die zehn zusätzlichen HD-Programme ab 1. Mai in unseren unabhängigen Kabelnetzen kostenlos und unverschlüsselt einspeisen – und das voraussichtlich als einziger der großen deutschen Kabelnetzbetreiber. Damit wird Tele Columbus einmal mehr zum Vorreiter im Bereich hochauflösendes Fernsehen – schon 2010 waren wir der erste Kabelnetzbetreiber, der seinen Kunden die HD-Programme der großen privaten Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 bereitstellte.

Was muss ein moderner Multimedia-Anschluss heute leisten?

Die Mediennutzung — gerade in der jungen Bevölkerung — wandelt sich stark. Darauf muss auch die Wohnungswirtschaft reagieren. Um einen Immobilienbestand für eine möglichst breite Mietergruppe attraktiv zu gestalten und kein Nutzersegment auszuschließen, ist eine breitbandige Medien-Infrastruktur notwendig, die jeden Kundenbedarf abdeckt: Analoges, digitales und hochauflösendes Fernsehen, günstige Telefonverbindungen und superschnelle Datenraten für die modernen Internetanwendungen. Und die natürlich auch zusätzliche Kapazitäten für Smart Metering oder andere künftige wohnungswirtschaftliche Dienste bereithält.

Wie können Sie als Kabelnetzbetreiber eine solch breit gefächerte Medienversorgung gerade in wohnungswirtschaftlichen Beständen sicherstellen?

Tele Columbus betreibt als integrierter Anbieter eine große Zahl von regionalen, hybriden Glasfasernetzen mit eigener Signalversorgung. Dies verschafft uns auch die Möglichkeit zur flexiblen Produktgestaltung in enger Zusammenarbeit mit unseren wohnungswirtschaftlichen Partnern. Unsere Netze sind fast durchgängig mit dem modernsten Übertragungsstandard DOCSIS 3.0 aufgerüstet, der superschnelle Internetgeschwindigkeiten bis zu 400 Megabit pro Sekunde möglich macht. Auf dieser Basis versorgen wir in erster Linie große Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften, aber auch immer mehr Privatbestände im Einzugsgebiet unserer entsprechenden Stadtnetze. Für entsprechende Anfragen von Eigentümergemeinschaften und Immobilienverwaltungen sind wir jederzeit offen.

Das Interview führte Cornelia Freiheit

Foto: Tele Columbus

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