Ein guter Zeitpunkt für ein schwieriges Thema

Die Verwaltervergütung

Beim Thema Verwaltervergütung gibt es schon seit vielen Jahren dringenden Handlungsbedarf. Dieser beginnt bereits damit, dass viele Immobilienverwaltungen ohne Kalkulation arbeiten. Doch selbst wenn diese erstellt wird, so liegt sie fast ausnahmslos unter dem Soll. Die Grundlage wird nämlich anhand von Erfahrungswerten zur Objektgröße, regionalen Marktvergleichen oder Konkurrenzkenntnis berechnet. Nur selten beruht ein Angebot an eine WEG auf Basis der eigenen Betriebsdaten und exakten Zeitmodulen oder einer Vollzeiterfassung. Die Folgen: Die marktübliche Vergütung liegt zumeist unter dem Kalkulationssoll des Geschäftsbetriebs, das Gehalt des Geschäftsführers ist unterdurchschnittlich und ein Betriebsgewinn ist nur durch Mehraufwand der Mitarbeiter und Geschäftsführung möglich. Keine attraktive Ausgangssituation.

Mit dem WEMoG sind nun aber deutlich mehr Anforderungen auf uns Immobilienverwalter zugekommen und wir befinden uns in einer neuen Qualifikationsstufe. Damit besteht nicht nur doppelter Handlungsbedarf für die Kalkulation der Verwaltervergütung, sondern mit der nun notwendigen Vertragsanpassung auch ein idealer Zeitpunkt.

Im ersten Schritt gilt es dabei herauszufinden, was für das eigene Unternehmen die richtige Verwaltervergütung ist. Die Kalkulation fußt idealerweise auf den Kennzahlen des eigenen Betriebes. Mit dem WEMoG ist dabei auch der Faktor Unsicherheit zu beachten: Mit der Kündigungsmöglichkeit innerhalb von sechs Monaten, kann man nicht mehr langfristig rechnen. Meine Empfehlung ist daher, beim Einstieg den einen Euro mehr zu verlangen und danach im Idealfall günstiger zu werden.

Dies funktioniert aber nur, wenn der Verwalter seine eigene Grund- und Basiskalkulation kennt. Die Betriebszahlen müssen zudem – gegebenenfalls durch Inanspruchnahme externer Hilfe – kontrolliert werden.

Mit dem WEMoG ist nun die Zeit gekommen, das ewig leidvolle Thema Verwaltervergütung endlich auf eine vernünftige Grundlage zu stellen. Nutzen wir die Chance, eine gesamte Branche aus dem Tiefpreiskampf zu heben und die Wertigkeit unseres spannenden Berufes zu stärken.

Martin Metzger - Vorstand BVI e.V.

Quelle: BVI-Magazin Ausgabe 03/2021

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