Welche Rolle die Immobilienwirtschaft spielt

Elektromobilität

Die Immobilienbranche nimmt künftig eine wichtige Rolle beim Ausbau der Elektromobilität ein. Ein im März 2020 von der Bundesregierung verabschiedeter Gesetzentwurf zum Aufbau von Lade- und Leitungsinfrastruktur für Elektromobilität in Gebäuden (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz – „GEIG“) schreibt vor, dass künftig neu gebaute oder renovierte Wohn- und Nichtwohngebäude mindestens mit Leitungsinfrastruktur für Elektromobilität ausgestattet werden müssen.

Deutschland setzt damit europäische Anforderungen in nationales Recht um. Ziel ist es, die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge spürbar auszubauen, um den Erwerb von E-Autos für Verbraucher attraktiver zu machen.

 

Anforderungen des Gesetzentwurfs

Der Gesetzentwurf definiert Maßnahmen sowohl für Wohngebäude als auch Nicht-Wohngebäude, die über mehr als zehn Stellplätze verfügen. Ob diese innen oder außen liegen, spielt keine Rolle. Die Maßnahmen greifen bei Neubauten sowie bei umfassenden Renovierungen bestehender Gebäude (inklusive der Stromleitungen oder der Stellplätze).

 

Konkret gilt Folgendes: Eigentümer oder Verwalter von Wohngebäuden sollen dafür sorgen, dass jeder einzelne Stellplatz mit Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität – also mit Schutzrohren für Elektro- und Datenkabel – ausgestattet wird. Bei Nicht-Wohngebäuden reicht es aus, 20 Prozent der Stellplätze mit einer solchen Infrastruktur auszurüsten. Zusätzlich muss hier allerdings ein Ladepunkt errichtet werden, an dem Verbraucher von Beginn an Strom tanken können. Bei bestehenden Gewerbegebäuden gilt eine Zusatzregelung: Haben sie mehr als 20 Stellplätze (innen- oder außenliegend), müssen Eigentümer oder Verwalter unabhängig von Renovierungsarbeiten darauf achten, bis zum 1. Januar 2025 einen Ladepunkt zu installieren. Natürlich gibt es kein Gesetz ohne Ausnahmen: Von den Maßnahmen befreit sind Nichtwohngebäude kleiner und mittlerer Unternehmen, die mindestens zur Hälfte durch diese selbst genutzt werden.

 

Dem Gesetz voraus sein

Der Gesetzentwurf ist aktuell eher zurückhaltend formuliert. Denn viele Fahrzeuge können auch nach pflichtgemäßer Umsetzung der Regelungen nicht geladen werden. Der Grund: Mit der vorgeschriebenen Leitungsinfrastruktur allein kann niemand ein Fahrzeug laden. Es handelt sich dabei lediglich um Leerrohre sowie Raum für Zähler und Netzerweiterung. Allein bei Nichtwohngebäuden geht der Entwurf weiter und fordert immerhin einen Ladepunkt.

 

Sollten Gebäudebesitzer jedoch funktionsfähige Ladesäulen installieren wollen, um Verbrauchern einen echten Mehrwert zu bieten, sind folgende Überlegungen essentiell:

  1. Wie lassen sich mehrere Ladepunkte ans Stromnetz anbinden, ohne es zu überlasten?
  2. Welcher Ladepunkt ist für welche Art von Stellplatz geeignet?
  3. Wie kann die Abrechnung funktionieren?

 

  1. Intelligentes Lastmanagement planen

Sollen künftig mehrere E-Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden können, ist in den allermeisten Fällen eine Netzerweiterung notwendig. Das sogenannte Lastmanagement muss mit dem Netzbetreiber geplant werden, um Energieengpässe im Haus zu vermeiden. Auch die Führung der notwendigen Kabel muss bedacht werden, idealerweise verzweigen sich die Stromleitungen zu den einzelnen Ladesäulen von einem Hauptstrang und sind sukzessive erweiterbar.

 

  1. Welche Ladesäule für welchen Stellplatz

Es gibt grob unterteilt zwei Arten von Ladestationen. Einige laden mit Wechselstrom (AC) und Leistungen von 3,7 Kilowatt (kW) bis 22 kW. Hier dauert das Laden aufgrund der geringeren Leistung etwas länger. Andere hingegen laden mit Gleichstrom (DC) und Leistungen von 24 kW bis über 150 kW. Hiermit kann der Ladevorgang dementsprechend schneller abgeschlossen werden. Eine allgemeingültige Aussage, welche Ladesäule für welches Gebäude geeignet ist, gibt es nicht. Dennoch erscheint es plausibel, die Ladesäule je nach durchschnittlicher Verweildauer der Fahrzeuge auf einem Stellplatz auszusuchen.

 

  1. Die Ladesäule als Business Case

Ladesäulen zu errichten, ist natürlich mit Kosten verbunden, kann sich aber langfristig sogar rechnen. Zum einen gibt es auf Bundes- und Landesebene verschiedene Förderprogramme, die sich an Kosten beteiligen oder Beratung leisten. Des Weiteren ist es legitim, dass Mieter, Mitarbeiter, Konsumenten etc. für den Strom zahlen, den sie tanken. Hierfür gibt es Software-Anbieter, die Abrechnungsmodelle für verschiedenste Szenarien anbieten. Diese Software kann in der Regel relativ einfach auf die Ladesäulen gespielt werden, so auch auf Compleo-Ladesäulen.

 

Fazit

Noch sind E-Fahrzeuge in Deutschland nicht weit verbreitet. Aber das ändert sich mit Sicherheit in den nächsten Jahren. Eigentümer, die schon jetzt in funktionsfähige Ladeinfrastruktur investieren, bieten ihren “Nutzern” – egal ob Mieter, Mitarbeiter oder Konsument – einen Mehrwert und steigern außerdem Wert und Qualität der Immobilie. Natürlich ist der planerische und finanzielle Aufwand im ersten Schritt nicht von der Hand zu weisen, aber langfristig gesehen kann sich die Errichtung von Ladesäulen auszahlen.

 

 

Georg Griesemann

www.compleo-cs.com

 

 

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