Betroffene Bauvorhaben und Ausnahmen

Energie-Standard für Neubauten steigt ab 2016

Auf dem Weg zum EU-weiten Niedrigstenergiegebäude fordert die geltende Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) ab 2016 noch effizientere Neubauten: mit weniger Primärenergiebedarf für die Anlagentechnik und mit mehr Dämmung für die Außenhülle.

EU fordert Niedrigstenergie-Baustandard

Die Vorgaben kommen aus Europa: Die EU-Richtlinie für Gebäude von 2010 verlangt, dass die Mitgliedsstaaten den Niedrigstenergie- Standard für Neubauten einführen und zwar nach folgendem Zeitplan: öffentliche Gebäude ab 2019, und alle anderen Gebäude ab 2021. Ein Niedrigstenergiegebäude hat eine sehr hohe Energieeffizienz: Der Energiebedarf liegt fast bei null und sollte größtenteils durch erneuerbare Energien gedeckt werden, beispielsweise über Solaranlagen, Biogas, Holzheizung oder Wärmepumpen.

EnEV-Verschärfung ab 2016

Seit Mai 2014 gilt die aktuelle EnEV 2014. Damit nicht alle zwei Jahre eine neue Fassung in Kraft tritt, hat der Bund eine Verschärfung für Neubauten mit eingebunden. Der erlaubte Primärenergiebedarf für die Anlagentechnik sinkt ab 2016 um 25 Prozent, und der Wärmeschutz der Bauhülle steigt um 20 Prozent. Das bedeutet eine effizientere Technik zum Heizen, Wassererwärmen, Lüften und Kühlen sowie besser gedämmte Fenster, Außenwände, Dächer und untere Decken in Neubauten.

Betroffene Neubauten

Unter die verschärften EnEV-Vorgaben ab 2016 fallen Bauvorhaben, für die der Bauherr folgende Schritte unternimmt – je nachdem, was die Bauordnung seines Bundeslandes fordert:

  • Der Bauherr reicht den Bauantrag am 01.01.16 oder später bei der Baubehörde ein.
  • Der Bauherr erstattet die Bauanzeige am 01.01.16 oder später beim zuständigen Amt.
  • Der Bauherr beginnt, das Bauvorhaben – für das er weder eine Genehmigung noch eine Anzeige oder ein sonstiges Verfahren benötigt – am 01.01.16 oder später auszuführen.

Ausnahmen von der Verschärfung

Wenn der Bauherr für sein Neubauvorhaben den Bauantrag oder die Bauanzeige noch bis Ende dieses Jahres bei der Baubehörde einreicht, muss sein Bauprojekt nur den aktuellen EnEV-Standard erfüllen.

Jedoch Achtung bei Bauträgerprojekten: Wenn ein Bauantrag noch dieses Jahr eingereicht, das Gebäude jedoch erst in etlichen Jahren fertig erstellt wird – wenn vergleichbare Neubauten alle bereits den verschärften EnEV-Standard erfüllen –, kann es problematisch werden!

Für genehmigungsfreie Neubauvorhaben muss der Bauherr dafür sorgen, dass er mit der Bauausführung noch dieses Jahr beginnt, dann greift die verschärfte EnEV ab 2016 nicht. Auch wer einen großflächigen Anbau oder Ausbau im Bestand ab 2016 vorhat, muss den verschärften Standard nicht berücksichtigen, auch wenn die EnEV verlangt, dass der neue Gebäudeteil die Neubauvorgaben erfüllt.

Die verschärfte EnEV ab 2016 bezieht sich selbstverständlich nur auf solche Bauvorhaben, die unter die Verordnung fallen. Es gibt viele Ausnahmen, bei denen die EnEV-Vorgaben nur für deren Heizung und Klimatechnik gelten, wie beispielsweise Tierställe, Werkstätten, Glashäuser, Traglufthallen, Kirchen und sonstige religiöse Bauten, Wochenend- und Ferienhäuser.

Verschärfung freiwillig erfüllen

Die EnEV 2014 erlaubt den Bauherren auch, dass sie von der Baubehörde verlangen, dass sie ihr Bauvorhaben nach dem verschärften Standard beurteilen. Dies kann entweder der Fall sein, wenn das Bauamt Anfang des Jahres 2016 über den Bauantrag oder die Bauanzeige aus dem Jahr 2015 noch nicht bestandskräftig entschieden hat oder wenn sie den zukünftigen Standard vorzeitig erfüllen wollen. In diesen Fällen wird der beauftragte Architekt den Neubau nach den Regeln der verschärften EnEV planen, nachweisen und bauen.

Melita Tuschinski
Dipl.-Ing./UT, Freie Architektin
www.enev-online.de

Wen die Energieeinsparverordnung betrifft, muss sich mit folgenden Fragen befassen:

  • Welche EnEV-Fassung gilt für meine Gebäude?
  • Wo finde ich den Text der EnEV?
  • Wer ist dafür verantwortlich, dass ich die EnEV einhalte?
  • Wer überprüft, ob ich die EnEV einhalte?
  • Wie vermeide ich Bußgelder?

Foto: Wolfram Palmer

Einen Kommentar schreiben
Kommentieren