Förderungschancen für die Immobilienbranche

ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit

Spätestens mit dem Corona-bedingten Aufruf ins Home-Office zu wechseln, wurde es deutlich: Die Digitalisierung ist, obwohl ihre Vorteile gerade in der Krisenzeit deutlich wurden, noch nicht vollkommen im Berufsalltag angekommen. Dabei gibt es im Bund und in zahlreichen Bundesländern Förderungen für Digitalisierungsmaßnahmen, die auch die Immobilienbranche nutzen kann. Ein Beispiel für ein bundesweites Förderprogramm ist der ERP Digitalisierungs- und Innovationskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit

Dieses Förderprogramm, das auch von der EU unterstützt wird (ERP: European Recovery Programme) hat die Finanzierung von Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben sowie von Investitionen und Betriebsmitteln innovativer Unternehmen zum Ziel. Die Finanzierung läuft über durchleitende Partner (Banken und Sparkassen), denen optional eine Haftungsfreistellung von 70 Prozent für Kredite angeboten wird.

Der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit kann mit anderen Fördermitteln kombiniert werden, sofern die jeweils relevanten EU-Beihilfehöchstbeträge und Kumulierungsvorschriften eingehalten werden.

Förderthemen und -kosten

Das Programm ist sehr breit gefasst und inkludiert Maßnahmen zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens über digitale Plattformen bis hin zu organisatorischen Schritten, um Unternehmen agiler zu machen.

Gefördert wird der Investitions- und der Betriebsmittelbedarf

  • im Zusammenhang mit einem Innovationsvorhaben zur Neuentwicklung von Produkten, Verfahren und Dienstleistungen, die neu für das Unternehmen sind,
  • im Zusammenhang mit einem Digitalisierungsvorhaben,
  • und innovativer Unternehmen.

Die maximale Finanzierung beträgt bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten. Bis zu 25 Mio. Euro werden als Förderdarlehen für Innovations- und Digitalisierungsvorhaben gewährt.

Beispiele für typische Förderprojekte sind die Integration von CRM-Systemen an das MES (Manufacturing Execution System – Digitale Kundenschnittstelle), der Aufbau der Infrastruktur für die Erhebung und Analyse großer Datenmengen, der Aufbau von digitalen Plattformen, die Entwicklung von Apps oder Investitionen in die Nutzung und den Ausbau innerbetrieblicher Breitbandnetze mit mehr als 50 Mbit pro Sekunde.

Kreditbetrag

  • mindestens 25.000 Euro pro Vorhaben
  • maximal 25 Mio. pro Innovations- und Digitalisierungsvorhaben
  • maximal 7,5 Mio. Euro pro Vorhaben innovativer Unternehmen

Bei einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren gibt es folgende Laufzeitvarianten:

  • bis zu fünf Jahre bei höchstens einem tilgungsfreien Anlaufjahr und einer Zinsbindung für die gesamte Kreditlaufzeit
  • bis zu sieben Jahre bei höchstens zwei tilgungsfreien Anlaufjahren und einer Zinsbindung für die gesamte Kreditlaufzeit
  • bis zu zehn Jahre bei höchstens zwei tilgungsfreien Anlaufjahren und einer Zinsbindung für die gesamte Kreditlaufzeit

Bei Zusage des Förderzuschusses als Ergänzung zum Darlehen beträgt die Mindestlaufzeit des Darlehens fünf Jahre.

Beantragung des Förderzuschusses

Als Ergänzung zum Kredit gibt es die Möglichkeit eines Förderzuschusses. Dieser wird gemeinsam mit dem Kreditantrag bei dem Finanzierungspartner vor Beginn des Vorhabens gestellt. Der Zuschuss kann nicht beihilfefrei zugesagt werden. Die maximale Zuschusshöhe berechnet sich prozentual auf den vollständig ausgezahlten Kreditbetrag und wird nach Vollauszahlung von der KfW direkt an den Antragsteller in einer Summe einmalig ausgezahlt. Die aktuelle Zuschusshöhe beträgt 3 Prozent und ist seit 3. Februar 2020 gültig.

Wer kann die Förderung der KfW erhalten?

Mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit werden kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von maximal 50 Mio. Euro oder einer Jahresbilanzsumme von maximal 43 Mio. Euro gefördert. Auch größere mittelständische Unternehmen können die Förderung beantragen, sofern ihr Gruppenumsatz 500 Mio. Euro nicht überschreitet.

Die Förderung ist für Unternehmen, Unternehmer und Freiberufler in Deutschland konzipiert. Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft müssen sich mehrheitlich in Privatbesitz befinden.

Ablauf und zeitlicher Rahmen

Der Förderkredit muss über eine Hausbank als Partner begleitet werden. Wichtig ist eine Beantragung bei diesem selbst gewählten Finanzierungspartner vor Beginn des Vorhabens. Für den Antrag müssen mindestens zwei vollständige Jahresabschlüsse vorliegen, somit kann diese Förderung nicht von Start-ups beantragt werden.

Bei den förderfähigen digitalen bzw. innovativen Vorhaben wird ein maximaler Zeitraum von 24 Monaten ab Beginn des Vorhabens finanziert.

Verena Leonhardt

www.bvi-verwalter.de

Einen Kommentar schreiben
Kommentieren