Übergangsfrist für Zweiwege-Notruf im Aufzug endet am 31. Dezember 2020

Ertönt im Aufzug noch die Hupe?

Am 31. Dezember 2020 läuft für Betreiber von Aufzugsanlagen eine wichtige Übergangsfrist ab. Nach § 24 Absatz 2 der derzeit gültigen Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) müssen bis zu diesem Zeitpunkt alle Aufzugsanlagen, mit denen Personen befördert werden, den spezifischen Anforderungen von Anhang 1 Ziffer 4.1 entsprechen. Und dort steht unter anderem, „dass im Fahrkorb der Aufzugsanlage ein Zweiwege-Kommunikationssystem wirksam ist, über das ein Notdienst ständig erreicht werden kann.“

Zweiwege-Kommunikationssystem bedeutet, dass ein Notrufsystem vorhanden ist, mit dem eine beidseitige Sprechverbindung zwischen den in der Aufzugskabine eingeschlossenen Personen und einer Notrufleitstelle aufgebaut wird. Zudem muss die Leitstelle auch ohne Sprechverbindung den Ort identifizieren können, aus dem der Notruf abgesetzt wurde.

Alle alten Aufzugsanlagen, die noch kein Notrufgerät haben, sondern bei denen nur eine Klingel oder eine Hupe ertönt, wenn man den Notrufknopf betätigt, dürfen demnach ab dem 01. Januar 2021 nicht mehr weiter betrieben werden.

 Unannehmlichkeiten vermeiden

Wenn also nach dem genannten Termin der Sachverständige der zugelassenen Überwachungsstelle (ZÜS - der TÜV, der DEKRA oder einer anderen Prüforganisation) sich zur Prüfung der Aufzugsanlage anmeldet, dann sollten die Betreiber der Anlage sicher sein, dass ihr Aufzug mit einem entsprechenden Notrufsystem ausgestattet ist, und dass dieses auf eine ständig besetzte Notruf-Leitstelle aufgeschaltet ist. Sonst steht dem Betreiber der Anlage Ärger ins Haus, denn es ist dann sehr wahrscheinlich, dass die Anlage von dem Prüfer postwendend stillgelegt wird. Zusätzlich ist damit zu rechnen, dass auch eine Meldung an die zuständigen Überwachungsbehörden erfolgt. Obendrein ist zudem ein Ordnungswidrigkeitsverfahren zu erwarten.

Da die genannte Übergangsfrist nun seit Inkrafttreten der BetrSichV zum 01.Juni 2015 am 31.Dezember 2020 schon mit einem komfortablen Ausmaß von über fünfeinhalb Jahren ausgestattet war, ist auch nicht davon auszugehen, dass der Sachverständige in einem solchen Fall dann einer weiteren Fristverlängerung zustimmen wird.

Vom Festnetz zur GSM-Funktechnik

Vor einigen Jahren begann die Telekom damit, ihre analogen Telefonnetze auf Digitaltechnik umzustellen. Problematisch wurde das zumindest in der Anfangszeit der Umstellung dadurch, dass viele, insbesondere ältere analoge Notrufsysteme in Aufzugsanlagen mit der neuen Telekom-Technik nicht mehr einwandfrei funktionierten. Seitdem hat sich eine neue Übertragungstechnik für die Notrufsysteme mehr und mehr etabliert, die GSM-Funktechnik.

Neben der recht guten Zuverlässigkeit dieser Übertragungstechnik konnte sie auch im Bereich der Kosten gefallen. Die monatlichen Rechnungsbeträge für eine GSM-SIM-Karte fallen nämlich zumeist deutlich niedriger aus, als ein Digitaltarif bei der Telekom.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass keine Telefon-Anschlussleitung mehr verlegt werden muss. Es wird einfach ein GSM-Modem eingebaut, das zudem über eine eigene Stromversorgung verfügt. Die Antenne wird an einer Stelle angebracht, an der ausreichende Empfangseigenschaften vorhanden sind.

Falls also im Bereich der Aufzugsanlage ein ausreichender Empfang für GSM-Funksignale gegeben ist, so empfiehlt sich der Einbau eines entsprechenden Notrufsystems auf Basis von GSM-Technik.

Wartungsfirma oder Notrufspezialist

Natürlich kann bei der zuständigen Wartungsfirma ein Angebot für den Einbau eines Notrufsystems und die zugehörige Notrufaufschaltung und -bereitschaft eingeholt werden. Das hat zudem den Vorteil, dass sich bei erfolgten Notbefreiungen mehrere Beteiligte die Schuld für gegebenenfalls an der Anlage aufgetretene Schäden nicht gegenseitig zuschieben.

Allerdings ist die Wartungsfirma nicht immer die kostengünstigste Lösung. Es gibt auch Firmen, die sich auf diese Art von Dienstleistung spezialisiert haben. Und dort erhält man was man braucht zum Teil zu günstigeren Preisen.

Zudem ist zu überlegen, ob man das Notrufsystem mieten oder doch lieber kaufen will. Auch hier ist beides jeweils mit Vorteilen und Nachteilen verbunden. Gegebenenfalls kann man sich diesbezüglich von einem neutralen Fachplaner für Aufzugsanlagen beraten lassen.

Lieferzeiten in der Aufzugs-Branche

Nicht nur wegen der besonderen Corona-Situation muss im Augenblick bei der Lieferung von Aufzugs-Komponenten auch aufgrund der generellen Auslastung mit längeren Lieferzeiten gerechnet werden. Zudem ist davon auszugehen, dass jetzt – kurz vor Torschluss – der Run auf die Notrufsysteme erfolgt.

Falls der Einbau eines Zweiwege-Notrufsystems bis heute noch nicht erledigt ist, ist jetzt Eile geboten. Wenn im Aufzug bei Betätigen des Notrufknopfes nicht die freundliche Stimme aus der Notrufleitzentrale erklingt, sondern nur die Hupe ertönt, dann sollte man jetzt keine Zeit mehr verlieren.

Uwe Rexroth

www.liftconsulting.de

 

Einen Kommentar schreiben
Kommentieren