Der Verwalter in der Pflicht

Extremisten in unseren Wohnanlagen

Über große Wohnanlagen freut sich der Verwalter, kann er seine sprungfixen Kosten dort doch gut refinanzieren. Den technischen und organisatorischen Anforderungen stellen wir uns daher gerne.

Aber private Satellitenanlagen, (gezwungen) tolerante Zurückhaltung gegenüber Lebensgewohnheiten von Menschen aus anderen Kulturen, Verständnisdefizite bei arabischen und anderen Sprachen, aber auch Angst vor aggressivem Auftreten und symbolhafter Kleidung von Radikalen usw. entfremden Bewohner voneinander und auch von Dienstleistern in der Liegenschaft. Die Tür hinter sich zugezogen, entzieht man sich der Unsicherheit: My home is my castle.

Die Anonymität, die häufig in großen Anlagen herrscht, stellt eine offene Gemeinschaft vor neue Aufgaben: Wie schützt man sich vor Extremisten in der Nachbarschaft? Der Bundesinnenminister hat jüngst unser Beschämen zum Ausdruck gebracht, dass IS-Milizionäre auch von Deutschland aus operierten und ihr Unwesen vorbereiteten. Damit fällt der Fokus neben den rechtsradikalen und linksradikalen autonomen Gruppen jetzt auch auf islamistische und andere fundamentalreligiöse Extremismen. Was können wir Verwalter dagegen tun?

Jüngst hat ein Sportbund folgenden Vorschlag für einen Gewerberaum-Mietvertrag gemacht: „Der Mieter ist nicht berechtigt, die Mieträume zur Durchführung von Veranstaltungen zu nutzen, auf denen rechts-, links-, und anderweitig extremes, rassistisches, antisemitisches oder antidemokratisches Gedankengut dargestellt und/oder verbreitet wird, sei es vom Mieter selbst oder von Besuchern. Das heißt, dass insbesondere weder in Wort noch Schrift die Freiheit und Würde des Menschen verletzt wird, noch Symbole, die im Geiste verfassungsfeindlicher oder verfassungswidriger Organisationen stehen, verwendet oder verbreitet werden dürfen.“

Ein erster Schritt zur Bewusstmachung, wie sich Demokratie wehren kann und muss. Nichts ersetzt aber die Aufmerksamkeit der Objektbetreuer vor Ort und die Gespräche unter den Nachbarn. Ob Auffälligkeiten im Zahlungsverkehr oder im Wohnverhalten, ob Sondernutzungen in Kellerlagern oder Einkaufsverhalten, ob Kleidungssymbole oder unregelmäßiges Nutzungsverhalten – angesichts der extremistischen Gewalttäter müssen wir Einschränkungen unserer Freiheit zulassen, um Sicherheit zu gewinnen und Gefahren, egal wo, abzuwehren. Unserer Branche kommt dabei eine besondere Aufgabe zu, denn wir operieren im Wohnumfeld der Menschen.

Ihr Peter Patt
peter.patt@bvi-verwalter.de

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