Anspruch und Wirklichkeit eines Jahrhundertvorhabens

Groß, größer, Energiewende?

Die Energiewende ist der Weg in eine Zukunft ohne Atomenergie − hin zu einer Industriegesellschaft, die dem Gedanken der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Wohnungswirtschaftsverbände wie der BVI sind bei diesem Vorhaben besonders angesprochen, denn sie repräsentieren tausende Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Deutschland hat sich für die Energiewende entschieden und stellt sich damit einer großen gesellschaftlichen Herausforderung. Um sie zu verwirklichen, müssen erneuerbare Energien ausgebaut und neue Wege gefunden werden, Energie zu sparen und effizienter zu nutzen. Die Einsparpotenziale der Immobilienwirtschaft sind immens, denn Gebäude verursachen etwa 25 bis 40 Prozent des Energie- und 30 Prozent des Rohstoffverbrauchs sowie 30 bis 40 Prozent der Treibhausgasemissionen. Weil Unternehmen der Immobilienwirtschaft sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind, investieren sie zunehmend in erneuerbare Energien zur Deckung ihres Strombedarfs und in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.

Von politischer Seite aus wurde bereits Ende der 1990er Jahre begonnen, ökologische Nachhaltigkeit für die Immobilienwirtschaft zu definieren und umzusetzen. Auch auf europäischer Ebene sind die Anforderungen an die Branche klar. Die Europäische Union strebt bis zum Jahr 2020 eine Verringerung des jährlichen Primärenergieverbrauchs um 20 Prozent an.

Deutschland setzt zur Erreichung dieses Ziels vorrangig auf marktwirtschaftliche Anreize, um die Wettbewerbsund Innovationsfähigkeit der Wirtschaft nicht zu gefährden. Dieses Wirtschaftlichkeitsgebot muss meiner Meinung nach auch in Zukunft unbedingt eingehalten werden. Als BVI Bundesfachverband der Immobilienverwalter e. V. setzen wir uns dafür ein, dass Unternehmen selbst entscheiden können, welche Wege zu mehr Energieeffizienz sie einschlagen. Durch bessere Information und Förderungen müssen die Hemmnisse für wirtschaftliche Investitionen auf Unternehmensseite abgebaut werden.

Verlässliche Rahmenbedingungen vonnöten

Die langwierigen Diskussionen um die neue Energieeinsparverordnung zeigen, dass ein geschlossener politischer Wille zu praktisch umsetzbaren energetischen Anforderungen weder im Neubau noch bei der Altbausanierung gegeben ist. Die am 1. Mai dieses Jahres in Kraft getretene Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 verschärft erneut die Rahmenbedingungen für Neubau- und Bestandsimmobilien ohne eine Langfristigkeit dieser Regelungen zu garantieren.

Viele Eigentümer in Wohnungseigentümergemeinschaften streben die energetische Erneuerung ihrer Gebäude an, um den Vorgaben der EnEV gerecht zu werden. Die anfallenden Kosten, etwa für Dachisolierung, Fassaden, Fenster- oder Heizungserneuerung sind umfassend und übersteigen oftmals die Instandhaltungsrücklagen von Eigentümergemeinschaften, so dass Sonderumlagen fällig werden. Ohne eine Optimierung und Verstetigung der aktuellen Fördermittel wird die energetische Sanierung nur schwerlich funktionieren. Wohnungseigentümergemeinschaften erwarten feste Rahmenbedingungen, erlangen aber bisher kaum positive Signale aus der Politik und halten sich deshalb mit den notwendigen Investitionen noch zurück.

Der Markt fordert ökologisches Umdenken

Die ökologische Bewegung hat sich zu einem wesentlichen Treiber auch der Branche der WEG-Verwalter entwickelt und bereits grundlegende Veränderungen herbeigeführt. Doch neben dem Motor Staat mit seinen Regulierungen treibt auch die zunehmende Nachfrage nach nachhaltigen Immobilien und Unternehmen und die damit einhergehende steigende Wettbewerbsintensität die Energiewende unaufhörlich voran.

Die Branche der WEG-Verwalter befindet sich vor diesem Hintergrund in einer Umbruchphase. Verwalter stellen sich die Frage, auf welche Weise sie ihre Geschäftsmodelle anpassen können, um für künftige Entwicklungen bei zunehmender Bedeutung von Energieeinsparung und -effizienz gewappnet zu sein. Verwaltungsunternehmen, die es verpassen, ihre Ausrichtung an die sich wandelnden Rahmenbedingungen anzupassen, werden zwangsläufig den Anschluss verlieren. Die stärksten Beweggründe, um den Weg zur Energiewende zu beschreiten, sind deswegen dreierlei: Risikokontrolle, Wettbewerbsvorteile und damit Sicherung des langfristigen Unternehmenserfolgs.

Thomas Meier
info@immo-pfeuffer.de

Foto Stecker: Marynchenko Oleksandr/Shutterstock

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