Die Verwaltervergütungsverordnung – ergibt Sie Sinn?

Kolumne des Vorstands Herausforderungen meistern!

Eine der politischen Forderungen des BVI Bundesfachverband der Immobilienverwalter e.V. ist eine Vergütungsverordnung für den Verwalterberuf. Berechtigt ist dieses Anliegen allemal. Gebührenordnungen gibt es für Juristen, für Notare, auch Steuerberater und Ingenieure warten mit geregelten Vergütungsrichtlinien auf – und ein professioneller Verwalter ist ein Stück weit die Schnittmenge aus all diesen Berufsgruppen.

 

Auch die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung zur Immobilienkauffrau oder zum Immobilienkaufmann bestätigt dies überraschend klar. So findet man dort beispielhaft folgende Ausbildungsinhalte:

 

  • Steuer und Versicherungen
    • Steuern und Abschreibungen berechnen
    • Steuerarten für Immobilien erläutern

 

  • Pflege des Immobilienbestands
    • Bedarf an Instandhaltungen, Instandsetzungen, Modernisierungen und Sanierungen ermitteln
    • deren Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten prüfen

 

  • Grundlagen des Wohnungseigentums
    • rechtliche Bedingungen und Verfahren der Begründung von Wohnungs- und Teileigentum erläutern
    • Bestimmungen von Teileigentum und Gemeinschaftsordnungen anwenden sowie deren Auswirkungen auf die Wohnungseigentumsverwaltung und den Wirtschaftsplan erläutern

 

Die Aufzählung könnte weiter geführt werden: Im Abschnitt II „Kenntnisse und Fähigkeiten in den Wahlqualifikationseinheiten“ finden sich Anforderungsformulierungen, bei denen selbst gestandene Verwalter mit 20 Jahren Berufserfahrung berechtigt nachdenklich werden könnten. Die Ausbildungsinhalte also sind sehr hoch gesteckt – die Parallele zu Berufsgruppen mit Vergütungsverordnungen frappierend.

Die Kritiker einer Vergütungsverordnung stellen derweil durchaus berechtigt fest, dass mit einer solchen der Spielraum nach oben eingeschränkt wird. Starre Vergütungsstrukturen verringern die Möglichkeit einer angemessenen Vergütung bei schwierigen Objekten.

 

Transparente Sondervergütungsregelungen

Selbstverständlich muss dem entgegengewirkt werden, indem die Bandbreite notwendiger Sondervergütung gerade bei solchen Objekten entsprechend angewendet wird. Beispielhaft sei erwähnt: Produziert eine Eigentümergemeinschaft viele Mahnverfahren und Prozesse, ist klarzustellen, dass der hierfür zusätzlich notwendige Aufwand ausreichend beim Verwalter honoriert wird. Gleiches gilt im Fall eines Sanierungsstaus. Für die Begleitung und Organisation umfangreicherer Sanierungsmaßnahmen gibt es mittlerweile viele sinnvolle Regelungen, wie dieser Aufwand beim Verwalter gedeckt werden kann. Transparente Sondervergütungsregelungen schaffen die Basis für eine Vergütungsordnung.

Von Transparenz profitieren auch Verbraucher in hohem Maß. Leistung und Vergütung ihres Verwalter sind klar in einer Grundvergütung geregelt.

 

Damit käme es in der Folge zu einer unmittelbaren Qualifizierungssteigerung: Wenn die Gebühr fest geregelt ist, dann nehme ich jedenfalls den Verwalter, der die höchsten Qualitätsmerkmale sowie das breitgefächertste Serviceangebot vorhält. Erfolgreiche Verwaltungen werden in Aus- und Weiterbildung investieren und mit dem so gewonnen Fachpersonal und digitalen, innovativen Prozessen und Produkten zusätzliche Leistungen nebst dem einen oder anderen Servicepaket anbieten können. So sichern sie sich Marktvorteile.

 

Automatische Erhöhung der Qualitätsstandards

Die Vergütungsverordnung mutiert zum Perpetuum Mobile - das Ziel des Gesetzgebers, einen höheren Qualitätsstandard in der Immobilienverwalterbranche zu erreichen, wäre schnell und flächendeckend erreicht, ganz ohne die missglückten Zulassungsvoraussetzungen. Für die Profiverwaltungen hat die Einführung einer Vergütungsverordnung den charmanten Nebeneffekt, dass das unwürdige Preisdumping verbunden mit basarähnlichen Zuständen zum Tagesordnungspunkt „Verwalterwahl“ auf Eigentümerversammlungen entfällt – die Gebühr ist klar geregelt. Dies käme auch der Effizienz und Veranstaltungsqualtität einer Eigentümerversammlung zu Gute.

 

Übrigens gibt es sie längst, die Vergütungsverordnung für Verwalter. In der Verordnung über wohnungswirtschaftliche Berechnungen nach dem zweiten Wohnungsbaugesetz (II. Berechnungsverordnung) ist unter § 26, Absatz 2 und 3 ist geregelt: Für die Verwaltung einer Wohnung inklusive Garage dürfen höchstens 260,00 Euro angesetzt werden. Zwar unterliegen diese Sätze einer Indexierung. Diese berücksichtigend, erhält man eine Bruttoverwaltergebühr von 321,75 Euro per anno für eine Wohnung inklusive Garage (Stand 01.01.2017). Traumhafte Gebührenaussichten, könnte man meinen.

Kostendeckend kann man damit jedoch nur größere Verwaltungseinheiten betreuen. Warum dem so ist und wie eine marktgerechte Vergütung aussehen könnte? Lesen Sie Teil 2 dieser Kolumne im kommenden BVI-Magazin.

 

Martin Metzger

Vorstandsmitglied BVI e.V.

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