Die eigene Unternehmenskultur als beste Werbung für neue Mitarbeiter

Kolumne des Vorstands Herausforderungen meistern!

Seit 30 Jahren arbeite ich nun in der Immobilienverwaltung, die meiste Zeit davon in leitender Position. Bis vor etwa zehn Jahren war Personal dabei selten ein Thema: So lange das Gehalt stimmte, klopften Bewerber ungefragt an die Tür. Seitdem allerdings hat sich etwas verändert. Mein Unternehmen erreichen weniger Bewerbungen, und wenn ich mich umhöre, stoße ich auf wenig Resonanz.

Es gibt schlicht weniger Fachkräfte, die Lust auf den Job haben. Die Arbeitszeiten gelten als unbequem und wegen vieler Abendtermine als familienunfreundlich, das Gehalt scheint nicht besser als anderswo, der Grat der Fremdbestimmtheit ist wegen der Abhängigkeiten von zahlreichen Kundenbeziehungen hoch. Dazu kommt das immer noch unscharfe Berufsprofil – überall sind Spezialisten gefragt, aber wir sind die Allrounder, die erst für Standards und Qualifizierungsmerkmale kämpfen müssen.

Zur Wahrheit gehört sicherlich auch: Es gibt immer weniger Fachkräfte, die den Anforderungen eines Verwalters gerecht werden. Immobilienverwalter im Jahr 2018 bedeutet eben etwas anderes als Immobilienverwalter 1998 – Digitalisierung, Flexibilisierung, in die Höhe geschossene Gesetzesvorgaben und eine nie da gewesene Transparenz durch Internet und soziale Medien – Verwalter müssen kompetent in jeglicher Hinsicht sein, um auf dem Markt bestehen zu können. Wenn ein Azubi schon an der Ablage scheitert, wie will er dann eigenständig langwierige Eigentümerversammlungen leiten? Wenn jemand freundlich am Telefon ist, kennt er sich automatisch mit Smart Metering (also das computergestützte Messen, Ermitteln und Steuern von Energieverbrauch und –zufuhr) aus?

Jammern und die Hände in den Schoß legen, bringt keines unserer Mitgliedsunternehmen weiter. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass ich neues Personal ausschließlich über Mund-zu-Mund-Propaganda erhalte. Das heißt nicht nur, dass ich viel Zeit mit der Pflege von Kontakten und Netzwerken verbringe. Das heißt auch, dass meine Verwaltung so aufgestellt sein muss, dass sie für sich wirbt. Der Umgangston im Unternehmen, ein ausgeprägter Teamgeist, ein Gespür für die Bedürfnisse von Mitarbeitern, was Arbeitszeiten und Rahmenbedingungen angeht – all das prägt den Ruf einer Verwaltung heute entscheidend. Und wenn meine Mitarbeiter in ihren Kreisen zufrieden über ihren Arbeitgeber sprechen, dann sind sie in diesem Moment eben nicht nur meine besten Werbeträger – sie schützen mich und mein Unternehmen auch vor Abwerbeversuchen der Konkurrenz und tragen zur Stabilität der gesamten Firma bei. Denn je geringer die Fluktuation, desto heller wird der langfristige Planungshorizont – und je entspannter der Chef, desto zuversichtlicher auch die Mitarbeiter.

In diesem Sinne: Werben Sie für Ihren Betrieb, nach außen wie nach innen. Ihr Engagement wird sich sprichwörtlich auszahlen.

Herzlich,
Ihr Peter Waßmann
Vorstandsmitglied BVI e.V.

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