Die digitale Revolution im Heizkeller

Neuheiten und Trends auf der ISH Energy in Frankfurt

Auf der Weltleitmesse ISH trafen Mitte März die führenden Hersteller von Technologien für Gebäude-, Energie-, Klimatechnik und Erneuerbare Energien auf ein interessiertes Fachpublikum, zunehmend auch aus der Wohnungswirtschaft. Wer da war, konnte eindrucksvoll beobachten, wie auch in der Heiztechnik digitale und vor allem mobile Steuerungen eine hocheffiziente und komfortable Wärmeerzeugung ermöglichen. Und: Heiztechnik wird zum Hingucker.

Es lohnt sich für Entscheider aus Wohnungsunternehmen und interessierte WEG-Verwalter, sich mit den grundlegenden Trends und Neuentwicklungen der Branche zu beschäftigen. Sind doch die Investitionssummen, um die es bei der Erneuerung der Heiztechnik in Wohngebäuden geht, erheblich.

Gleiches gilt für Neubauten. Das Risiko von Fehlplanungen ist nicht zu unterschätzen, zumal sich die gesetzlichen Anforderungen durch die EnEV 2014 und vor allem durch die Ökodesign-Richtlinie der EU, die am 26. September 2015 in Kraft treten wird, laufend verändern. Zukunftssicher muss die Technik sein, möglichst standardisiert bei Installation und Steuerung, komfortabel und einfach zu bedienen – natürlich auch via Internet oder Smartphone. Junkers ist eines der Unternehmen, die wissen, was Wohnungsunternehmen und WEGs heute von moderner Heiztechnik erwarten.

Systeme statt Einzelkomponenten

„Früher genügte es, wenn Planer und Installateure die richtige Heizleistung für das Wohngebäude berechneten. Hinzu kam noch ein Raumthermostat. Heute müssen eine Vielzahl von Einzelkomponenten und verschiedene Energieträger perfekt aufeinander abgestimmt sein und gesteuert werden, um das optimale und effizienteste Ergebnis zu erreichen. Das geht nur, wenn man Heizanlagen als Gesamtsysteme entwickelt und einsetzt“, erklärt Jens Mischke, Leiter Regenerative Energien von Junkers und Key Account Manager Bauträger und Sonderkunden. Eine Herausforderung in der Laststeuerung – vergleichbar mit der Motorelektronik bei einem Hybrid-PKW – ist die Kombination von Solarthermie mit Gas-Spitzenlastkesseln. Hier konnten in der Vergangenheit häufig die Energiewerte, die unter Laborbedingungen gemessen wurden, nicht erreicht werden.

Junkers bietet mit seiner patentierten „SolarInside-ControlUnit“ das entscheidende Bindeglied zwischen allen Komponenten, und zwar unabhängig davon, ob weitere Energieerzeuger wie Gasbrennwertkessel, Wärmepumpen oder Fernwärme eingebunden werden sollen. Allen Anlagen gemein ist das Prinzip „Verbrauch vor Speicherung“, sodass die erzeugte Solarwärme bevorzugt zur Warmwassererzeugung bzw. zu Heizzwecken genutzt wird. Das minimiert den Speicherbedarf und die Kollektorfläche auf dem Dach und beschränkt den Gasverbrauch auf besonders kalte Wintertage. Ergebnis: Bis zu 15 Prozent Energieeinsparung bei der Warmwasserbereitung und weitere fünf Prozent bei der Heizung gegenüber herkömmlichen Brennwert-Solar-Kombinationen.

Problemlos zu erweitern

„In Systemen denken heißt auch, dass z. B. zentrale Brennwertkessel, die ein Wohnungsunternehmen vor einigen Jahren eingebaut hat, nun nachträglich durch eine solarthermische Anlage ergänzt werden können“, betont Joachim Just, Leiter Key Account Management Wohnungswirtschaft bei Junkers. Dass sein Unternehmen mittlerweile auch „groß“ kann, zeigt sich in den Größenordnungen der angebotenen Anlagen. So sind Solaranlagen mit einer Kollektorfläche von 210 Quadratmetern verfügbar, die für Gebäude bis zu 300 Wohneinheiten geeignet sind. In Kaskade geschaltet erreichen die vier größten wandhängenden – und damit äußerst platzsparenden – Brenner der Cerapur-Maxx-Serie eine Maximalleistung von 400 kW. Die hintereinander geschalteten Standkessel der Serie Suprapur erreichen ihre Leistungsspitze bei 560 kW. Das reicht für große Mehrgeschosser und bietet maximale Energieeffizienz durch einen großen Regelbereich sowie hohe Betriebssicherheit.

Zentral und doch dezentral

Junkers hat die Vorteile einer zentralen mit den Vorteilen einer dezentralen Heizung-/ Warmwasserbereitung kombiniert. Herausgekommen sind dabei Wärmeübergabestationen. Die Heizenergie wird dabei zentral erzeugt, und dieses Heizungswasser erzeugt dann im Gegenstromprinzip das warme Brauchwasser direkt kurz vor der Zapfstelle mittels Wärmetauscher. Da kein Trinkwasser bevorratet wird, entfallen die jährlichen Legionellen-Überprüfungen nach der neuen Trinkwasserverordnung 2013. Der Wirkungsgrad ist dank niedriger Vorlauf- und Rücklauftemperatur bestechend hoch. Besonders hervorzuheben ist die Versorgung der Wohnung mit einer Kaltwasser- und zwei Heizungsleitungen.

Konnektivität

Was in der Vergangenheit noch als Spielerei technikverliebter Freaks bei der Smartphone- Steuerung von Beleuchtung, Musikanlage oder Küchengeräten belächelt wurde, bekommt beim Thema Heizung eine ganz andere Tiefe. Mit der App „JunkersHome“ für Android- und Apple-Geräte können standortunabhängig die Raumtemperatur eingestellt, zwischen voreingestellten Heizprofilen gewechselt oder der Energieverbrauch – aber auch Solarerträge – angezeigt werden. Störungsmeldungen sind ebenfalls online verfügbar. Ende 2015 wird dann, kündigt Just an, eine rein funkbasierte Variante der „Home“-Steuerung verfügbar sein, sodass mit der App die Heizgeräte und die Einzelthermostate an den Heizkörpern direkt angesteuert werden können.

Die vielfältigen Diagnose- und Fernwartungstools, die für das Installationshandwerk, aber auch für die WEG-Verwalter, Facility Manager oder Geschäftsstellen von Wohnungsunternehmen entwickelt wurden, sind auf den zweiten Blick auch für die Bauherrenseite interessant. Letztendlich eine Erweiterung des „JunkersHome“-Konzepts, lassen sich z. B. mit der „multiHome“- App mehrere Heizungsanlagen gleichzeitig überwachen, Kundendatenbank und Standortangabe in Google Maps inbegriffen.

Mit dem browserbasierenden System HomeCom Pro und weiteren Diagnosetools stehen verschiedene Applikationen zur Verfügung, die Störungen und Instandhaltungsbedarfe signalisieren, bevor sie der Mieter oder Wohnungseigentümer überhaupt bemerkt. Der Wartungsbeauftragte bekommt benötigte Ersatzteile sowie Art und Dauer der notwendigen Reparaturen angezeigt und kann sich so perfekt mit dem Haus- bzw. Wohnungseigentümer abstimmen.

Wer sich in der Wohnungswirtschaft mit dem noch völlig unterschätzten Aspekt der Lebenszykluskosten und einer adäquaten Instandhaltungskostenplanung beschäftigt, wird die Kostensenkungspotenziale dieser Features bei seinen technischen Dienstleistern erkennen. Das gilt natürlich im besonderen Maße für eine umfassende Fernwartung, die den Vor-Ort-Einsatz von Monteuren und unnötige Anfahrten an die Anlagen teilweise entbehrlich macht.

Die Heizung als Blickfang

Was Mitte der 1990er Jahre mit Motorabdeckungen in der Automobilindustrie begann, hat als Trend mittlerweile auch die bodenständige Heizungstechnik erreicht. Neben der Abdeckung der Wärmezelle im Motorendesign eines Sportwagens bietet Junkers mit seinem neuen Gas-Brennwertgerät Cerapur 9000i nicht nur internetgestützte Steuerungselektronik, sondern auch eine moderne Glasfront des Gerätes – designt wie ein Smartphone. Das neue runde Display informiert im Volltext über alle Parameter und erlaubt eine komfortable Touch-Bedienung. „Ein so schönes Wand-Gerät braucht man nicht mehr hinter einer Tür zu verstecken“, meint Jens Mischke und hat dabei eine besonders technikaffine Zielgruppe im Blick.

Gleiches gilt auch für die zentrale Reglereinheit in der Wohnung. Wer es ganz besonders stylisch haben möchte – natürlich mit integrierter App-Schnittstelle – kann mit einem Handgriff den klassischen Wandregler durch das „Junkers Control“ austauschen. Der Glas-Regler mit Touch- Display bietet zusätzlich eine Anwesenheitserkennung, optimiert die Raumregelung mit Hilfe eines Online-Wetterdienstes und sorgt mit dem Duschtimer dafür, dass der Nachwuchs nicht endlos unter der Dusche steht.

Manfred Neuhöfer
wowi@de.bosch.com

Fotos: Bosch Thermotechnik GmbH, Junkers Deutschland

 

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