Im Hamsterrad des „Gut gemeint“

Oder: Muss man lernen, „Nein“ zu sagen? (Teil 3)

Mit diesem Artikel endet die Serie zum Thema Nein sagen, die Sie über die letzten beiden BVI-Magazine (s. Ausgaben 01/16 und 02/16) verfolgen konnten. Ging es anfangs zunächst darum, überhaupt erst eine Haltung zum NEIN zu entwickeln, zeigte ich in der Fortsetzung eine Technik auf, mit der sich in drei Schritten ein Nein leichter kommunizieren lässt. Abschließend will ich Ihnen nun Vorschläge unterbreiten, die Ihnen einen positiven Fortgang bzw. Abschluss des Gesprächs ermöglichen werden.

 

Sieht ganz einfach aus, ist aber verdammt schwer!

Tipp 1

Das erste, was ich Ihnen empfehle, nachdem Sie das Nein ausgesprochen haben, mutet wahrscheinlich seltsam für Sie an. Tipp Nr. 1 lautet nämlich: Tun Sie nichts! Ich weiß, das klingt simpel, vielleicht zunächst zu simpel für Sie. Gerade deshalb lade ich Sie ein: Versuchen Sie es einmal! Schnell werden Sie merken, wie sehr es an Ihnen zerrt, so tatenlos und scheinbar unkooperativ zu bleiben. Neigen wir doch eigentlich eher dazu, unsere Meinung wortreich zu erklären, die Hintergründe unseres Tuns umfassend zu erläutern, oft sogar, uns ausgiebig zu rechtfertigen. Doch jetzt sollen Sie lediglich freundliche Stärke ausstrahlen. Lächeln Sie (aber bitte nicht ironisch grinsen!) und erwarten Sie ruhig, doch zugewandt die Reaktion Ihres Gegenübers. Glauben Sie mir: Das entfaltet eine unglaublich starke Wirkung! Und es wird den weiteren Verlauf des Gespräches maßgeblich beeinflussen.

Klären Sie die Beziehungsebene!

Tipp 2

Regelmäßig kommt es bei Trainings oder Coachings an den Punkt, wo die Frage aufkommt, warum uns das NEIN eigentlich so unsagbar schwer fällt. Die Antwort ist meist dieselbe: Wir befürchten, anschließend nicht mehr (ausreichend) gemocht zu werden.

Deshalb mein Tipp Nr. 2: Fassen Sie diese Sorge in Worte! Fragen Sie z. B.: „Sie sind jetzt enttäuscht von mir?“ Zugegeben, es erfordert einigen Mut, diese Empfindung tatsächlich offen zu äußern. Doch eigentlich immer stellt sich heraus, dass gerade durch dieses Vorgehen die notwendige Trennung zwischen Sache und Mensch leichter, wenn nicht sogar überhaupt erst möglich wird.

Versöhnlich bleiben!

Tipp 3

Trotzdem wird es so sein, dass einige von Ihnen das dringende Bedürfnis verspüren, den Kunden nicht einfach so „im Regen stehen zu lassen“. Tipp Nr. 3 dürfte Sie deshalb kaum überraschen: Bieten Sie eine Alternative an! Statt jedem Wunsch sofort zu entsprechen, behalten Sie auch Ihre Situation im Blick. Bevor Sie also in Arbeit untergehen, schlagen Sie eine für Sie einfachere Option vor, die – zumindest tendenziell – das Bedürfnis erfüllen kann.

Doch bedenken Sie: Eine von Ihnen eingebrachte Alternative bedeutet sicher weniger Aufwand für Sie, als der ursprüngliche Kundenwunsch, hüten Sie sich aber davor, durch diese dritte Variante aus jedem NEIN (das Sie eigentlich zum Ausdruck bringen wollen!) ständig ein VIELLEICHT werden zu lassen! Das wäre ein fauler Kompromiss, wenn Sie eigentlich das Ziel haben, Ihren Standpunkt souveräner vertreten zu wollen. Ist ein selbstbewusster Mix dann eventuell die bessere Lösung!?

Fazit

Für uns als Dienstleister wird das Thema Nein sagen immer ein heißes Eisen bleiben. Gilt es doch, die Balance zwischen Kundenorientierung und Eigeninteresse zu finden und diese dann auch noch aktiv zu kommunizieren. Diese Herausforderung bleibt auch stetig im Fluss, weil sich die Kunden, die Situationen, aber auch wir uns ständig verändern.

Beim Finden IHRES Weges wünschen ich Ihnen deshalb Mut, ein glückliches Händchen und viel Erfolg!

Thorsten Woldenga
info@tcc-woldenga.de

Einen Kommentar schreiben
Kommentieren