Geschafft!?

Peter Patt kommentiert Vergabegrenzen bei Handwerkerleistungen

Der Versammlungsmarathon in den Wohnungseigentümergemeinschaften steht an. Da gibt es unterschiedliche Strategien: Der eine Verwalter sucht eine breite Plattform, um die Leistungen seines Betriebes zu kommunizieren, dem anderen ist an kleinen Runden mit vielen Vollmachten gelegen, damit die Versammlungen zügiger und störungsfreier verlaufen.

Der eine richtet die Versammlungstermine nach den Wünschen der Eigentümer aus und steht sogar abends und am Wochenende zur Verfügung, der andere ist auf Einhaltung der Arbeitszeiten für die Mitarbeiter bedacht und lädt nur zu Bürozeiten ein. Der eine stellt sich den Fragen und nicht immer bequemen Wissensdefiziten bei den Eigentümern, der andere freut sich über wenige Teilnehmer, die ihm „blind“ folgen und sich nicht mit anderen Eigentümern zu kritischen Fragen zusammenschließen. Der eine ist manchmal geschafft und frustriert, wenn seine Offenheit und zeitliche Bereitschaft nicht honoriert werden, der andere ist früh zuhause.

Welcher, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist der richtige Weg? Jeder hat seine Strategie oder Gewohnheit, und anstrengend ist unser Beruf ohnehin – weswegen er ja auch Freude und nicht nur Spaß macht.

Auftragsvergabe sollte sich am Modell der öffentlichen Hand orientieren!

Und nach der Versammlung geht die Arbeit weiter, getreu dem Motto: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Wir Fachverwalter ruhen uns nicht aus, motivieren uns immer wieder selbst und gehen an die Umsetzung der Beschlüsse der Eigentümerversammlung. Aus Effizienzgründen müssen wir uns dabei auf die Lieferanten, Dienstleister und Handwerker verlassen. Es gilt abzuwägen zwischen dem zeitlichen Erledigungsdruck und der Haftung, die wir für die Auswahl der Dienstleister und die Beaufsichtigung ihrer Arbeit übernehmen. Gut fährt, wer zu seinen Handwerkern auch während der Jahre der schlechten Auftragslage gestanden hat, denn derzeit führen Personalmangel und Auftragslage im Baugewerbe zu Engpässen bei der Auftragserledigung.

Damit einher geht oft die Ungeduld der Eigentümer. Und dann wünschen viele unserer Eigentümerkunden noch, dass wir drei Vergleichsangebote einholen. Das bindet nur unnötig unsere Kapazitäten, wenn wir doch mit Fachbetrieben dauerhaft auf beständigem Preisniveau fair zusammenarbeiten und auch die Betriebe wissen, dass sie mit manchen Angebotsabgaben nur Papierarbeit ohne Ertrag leisten. Leider sind Juristen häufig der Meinung, der Eigentümer bzw. die Gemeinschaft hätten einen Anspruch auf Vergleichsangebote.

Ich denke, hier müsste angesichts der immer enger werdenden Personaldecke branchenweit ein neues System bestimmt werden, welches sich an die Vergabeordnung der öffentlichen Hand anlehnt: Bis zu einem ausreichend hohen Betrag kann der Verwalter freihändig vergeben, darüber hinaus auf Basis von Vergleichsangeboten zusammen mit dem Beirat, und ab einer bestimmten Höhe entscheidet die Eigentümerversammlung. Damit sollten die richterliche Prüfung und die Unsicherheit bei vielen Beiräten, Eigentümern und Verwaltern entfallen können.

Dann können auch wir Verwalter schneller sagen: „Geschafft!“, statt vom Zeitdruck „geschafft“ zu sein.

Peter Patt

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