Peter Patt kommentiert

Renaissance der Inklusivmieten

Früher war Energie günstig und wurde großzügig verbraucht. Mit explodierenden Preisen bestimmen heute Fragen der Kosteneinsparung unser Handeln: Heizung runter drehen, Glühbirnen tauschen, wärmer anziehen, Klimaanlage ausschalten.

Von klein auf werden Kinder dazu ermahnt, Energie effizient zu nutzen. Effizienz wird dabei oft mit Verbrauchsreduzierung gleichgesetzt.

Energieeffizienz bedeutet heutzutage meistens Reduzierung der Inanspruchnahme des Energielieferanten. Zukünftig wird Effizienz jedoch eine andere Bedeutung bekommen. Denn in der Gebäudebewirtschaftung bahnt sich ein Kulturwandel an.

Während die einen den klassischen Weg der Vermeidung kostenpflichtigen Gebrauchs von Energielieferungen gehen, werden andere selber zu Energieproduzenten. Sie nutzen die selbst gewandelte Energie aus erneuerbaren Quellen: Solar- oder Bodenthermie, kombiniert mit Strom für die Wärmepumpe, der von Photovoltaik-Elementen stammt. Die Kostenkurven für Fremdbezug und Eigenerstellung werden sich bald schneiden. Das Motiv der Einspeisevergütung als sichere Rendite weicht dann dem Eigenverbrauch.

Die selbst erzeugte Wärme wird durch den ebenfalls selbst erzeugten Strom mittels Wärmepumpe durchs Haus geführt. Die Bewohner können diese Energie also „hemmungslos“, ohne schlechtes Gewissen selbst verbrauchen. Der Energietransformator steht nicht mehr bei den Stadtwerken, sondern auf dem eigenen Dachboden oder im Anschluss-raum, und von dort strömt die Energie aus Eigenproduktion in nahezu beliebiger Menge.

Bauliche Effizienz statt Verbrauchseinschränkung

Der Effizienzauftrag gilt zunehmend der baulichen Ertüchtigung zur energetischen Optimierung des Hauses, nicht mehr der Beeinflussung des Nutzerverhaltens. Strom und Wärme können unter diesen Voraussetzungen beliebig verbraucht werden – „kostet ja nix“. Ohne dass die Wärmekosten zur zweiten Miete ansteigen, könnte bei offenem Fenster geheizt werden – ein Sakrileg in der klassischen Wohnungswirtschaft.

In Neubaugebieten wird diese Entwicklung deutlich: Große Glasflächen, hell erleuchtete Häuser, warme Gemütlichkeit im Winter, Kühle im Sommer und eine Energierechnung, die bald nur noch die Zählerkostengrundgebühr beinhaltet. Daneben das noch konventionelle Haus: Rollläden im Winter runter, damit die Wärme drinnen bleibt, Türen geschlossen, ungenutzte Räume ungeheizt belassen und trotzdem steigende Betriebskosten.

Für eine gerechte Verteilung von Kosten und Nutzen

In diesem Wettbewerb zwischen Jacke-anziehen und Heizung-aufdrehen-können sind Gebäude mit vielen Etagen und kleiner Dachfläche im Nachteil. Die Dachfläche reicht dort meist nicht für die Erzeugung des gesamten Energiebedarfs der Hausbewohner, weil die technische Effektivität der geringen Zahl an Solarmodulen begrenzt ist. Dazu kommt, dass die Vermieter nur unzureichend von den Verringerungen der Betriebskosten aufgrund ihrer Investitionen profitieren. Die Lasten müssen sie weitgehend alleine tragen, während die ersparten Verbrauchskosten ausschließlich den Mietern zukommen.

An einer gerechten Verteilung von Kosten und Nutzen energietechnischer Modernisierungen sowie an der Entwicklung geeigneter Energiespeicher muss deswegen noch gearbeitet werden. Besitzer größerer Häuser könnten ihren Bewohnern dann eine Art Flatrate mit Inklusivmieten anbieten, was das Heiz- und Verbrauchsverhalten wieder entkrampfen würde. Damit wäre auch dem Wohlbefinden der Bewohner gedient – getreu dem alten Werbespruch „Wärme schafft Behaglichkeit“.

Ihr Peter Patt
peter.patt@bvi-verwalter.de

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