Ein Plädoyer gegen den Kostenminimierungs- und Reglementierungswahn unserer Zeit

Sapere Aude – Wage es, Deinen Verstand einzusetzen!

Treffender wäre wohl dieses Motto: Achte darauf, Deinen Verstand nicht zu verlieren! Kein Zweifel - unser soziales, politisches und wirtschaftliches Umfeld ist in Bewegung. Zwischen Globalisierung, vernetztem Denken und Zukunftsdrang droht aber so manches unter die Räder zu kommen. Der Kompass unserer Handlungsweisen sollte dabei immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden.

War es im Arbeitsalltag des letzten Jahrhunderts noch ein Bestreben, die Arbeit des Menschen möglichst abwechslungsreich zu gestalten und im industriellen Arbeitsprozess monotone Tätigkeiten zu vermeiden, haben die segensreichen Fortschritte der elektronischen Datenverarbeitung, die Anforderungen der Globalisierung und die aufkommende Dominanz des Controllings zu einer regelrechten Kontroll- und Überwachungsmanie geführt.

Verhängnisvolles „Geiz ist geil“

Gleichzeitig gibt es im gesellschaftlichen Bereich zunehmend die Devise „Geiz ist geil“ und durch gezielten Missbrauch der deutschen Sprache vermischen sich ehemals klar differenzierte Begriffe wie „preiswert“ und „billig“ zu einem undefinierten Mischmasch. Vergessen sind Großmutters Kommentare wie: „Billig konnten wir uns nie leisten, denn dazu waren wir zu arm.“ Wir wissen nicht nur immer, wo gerade unser versandtes Päckchen ist, sondern im Rahmen einer modernen Erziehung kann auch das eigene Kind GPS-überwacht seine Freizeit verbringen.

Aus dem Zusammentreffen dieser Entwicklungen ergibt sich in unserer dienstleistungsdominierten Wirtschaft eine unheilvolle Allianz. Es werden zunehmend alle Bereiche des Lebens durch eine Flut von Gesetzen, Verordnungen und Empfehlungen reglementiert. Eine immer größere Zahl von Menschen lebt davon, derartige Regelungen zu schaffen, im Alltag durchzusetzen und - zum Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes - ständig fortzuschreiben bzw. weiter zu entwickeln.

Zunehmende Überwachungswut

Auf den Punkt gebracht: Bei unserer handwerklichen Tätigkeit führt die aus den oben beschriebenen Zusammenhängen abgeleitete Kosten- und Aufwandsminimierung zu ständig steigendem Druck auf die zu erzielenden Preise. Gleichzeitig erhöht sich die Zahl der zu beachtenden Vorgaben. Und aus Sorge, der Handwerker könnte einmal etwas zu viel verdienen, werden große Summen in EDV-Programme investiert und Überwacher bezahlt, die aus der Ferne dafür sorgen, dass im Handwerk alles läuft. Ich nenne diese Zeitgenossen die OBERLOCHGUCKER.

Wer legt noch Hand an?

Die Zahl dieser Oberlochgucker nimmt ständig zu, während gleichzeitig die Zahl der zur Verfügung stehenden qualifizierten Handwerker, die vor Ort Hand anlegen und im wahrsten Sinne des Wortes handwerklich tätig sind, stetig abnimmt.
Ich halte ein Plädoyer dafür, diese wahnsinnige Entwicklung aufzuhalten und wieder in ein vernunftgesteuertes Wirtschaftsleben zurückzukehren. Machen statt überwachen! Denken Sie doch einmal darüber nach!

Dr. Ernst J. Baumann
www.alltrosan.de

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