Wie Sie Ihre Gesundheit schützen und stärken können

Ständig auf Zack – und wo bleibt die Psyche?

Tiana-Christin Schuck ist Psychologin beim BVI-Fördermitglied MEDITÜV und beschäftigt sich mit der Frage, wann Menschen zufrieden und motiviert zur Arbeit gehen, gesund sind und bleiben – auch in schnelllebigen Zeiten. Wir sprachen über die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, Resilienz und die Bedeutung von Wertschätzung am Arbeitsplatz.

BVI-Magazin: Durch die Arbeit gesund sein und bleiben. Das klingt widersprüchlich. Meinen Sie wirklich, das ist möglich?

Voll und ganz. Unsere Arbeit ermöglicht uns das wichtige Gefühl, zu einer Gruppe dazuzugehören. Sie kann Sinn stiften, die Identität festigen und den Selbstwert stärken. Natürlich macht nicht jede Tätigkeit zu jeder Zeit gesünder. Sie hat aber das Potential dazu. Oder anders herum: Es gibt Hinweise, dass Arbeitslosigkeit ursächliche Auswirkungen auf die Entwicklung von Krankheiten hat. Insgesamt hat unsere Arbeit für unser Wohlbefinden eine große Bedeutung – und unter bestimmten Voraussetzungen ist sie eine Quelle von Gesundheit.

BVI-Magazin: Welche Voraussetzungen sind das?

Beispielsweise sollte die Tätigkeit abwechslungsreich gestaltet und in der verfügbaren Zeit zu schaffen sein. Außerdem hilft es, wenn Beschäftigte selbst entscheiden können, auf welche Art und Weise sie Aufgaben bearbeiten oder in welcher Reihenfolge sie diese angehen. Es sollte eine Rückmeldung zu Leistungen erfolgen und hilfreiche Fortbildungen sowie Entwicklungsmöglichkeiten angeboten werden. Besonders bedeutsam sind angenehme Kontakte zu anderen Menschen. Unterstützung, Anerkennung und Wertschätzung durch Kollegen, Kolleginnen oder Vorgesetzte haben einen enormen Einfluss auf die Gesundheit. Nicht umsonst handelt es sich bei diesen Merkmalen um Inhalte der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung – bloß positiv formuliert.

BVI-Magazin: Soll das heißen, die Gefährdungsbeurteilung hilft Beschäftigten dabei, gesund zu sein?

Ja. Ziel der Gefährdungsbeurteilung ist es, die Gesundheit von Beschäftigten zu schützen. Dabei ist zu ermitteln, welche Gefährdung von einer Tätigkeit ausgeht und dieser mit adäquaten Maßnahmen zu begegnen. Eine Gefährdung kann dabei auch durch psychische Belastungsfaktoren entstehen – eben beispielsweise, wenn Abwechslung fehlt oder Zeitdruck an der Tagesordnung ist.

BVI-Magazin: Was sind „adäquate Maßnahmen“?

Das kommt auf die bestehende psychische Belastung und die gegebene Situation im Unternehmen an. Wir begleiten beispielsweise folgende Maßnahmen: Zusammenarbeit von Abteilungen stärken, Informationen innerhalb des Unternehmens teilen oder eine Vision implementieren. Außerdem unterstützen wir dabei, Konflikte zu klären, wertschätzend zu kommunizieren und gesund zu führen.

Weil stressende Gegebenheiten wie Störungen oder Konflikte bei keiner Tätigkeit zu jeder Zeit auszuschließen sind, ist es auch sinnvoll, die Beschäftigten direkt zu unterstützen. Beispielsweise indem ihre Resilienz, also die Flexibilität und Souveränität jedes und jeder Einzelnen im Umgang mit Stress, gestärkt wird. Daher bilden wir z.B. Resilienz-Lotsen aus. Sie helfen, auch in stressigen Situationen die Gesundheit aller im Blick zu behalten.

BVI-Magazin: Abschließend, was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Voraussetzung für psychische Gesundheit?

Wertschätzung. Wird im Unternehmen wohlwollend miteinander umgegangen, auf Augenhöhe kommuniziert und haben die Beschäftigten das Gefühl, ihre Sichtweise zählt, sind beste Voraussetzungen geschaffen, dass die Arbeit gesund hält, vielleicht sogar gesünder macht.

 

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www.medituev.de

 

Das Interview führte Cornelia Freiheit.

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