Neuartige Policen bieten Schutz

Steigende Gefahren durch Cyberkriminalität

Cyberkriminalität ist ein weltweites Problem, das überall stattfinden kann, wo Menschen Computer und Smartphones benutzen – also auch in der Immobilienverwaltung. Wie Sie sich und Ihr Unternehmen schützen können erläutert Christian von Göler, Geschäftsführer bei der BEST GRUPPE, im Interview.

BVI-Magazin: Wie groß ist das Risiko der Cyberkriminalität in Deutschland?

Christian von Göler
Christian von Göler

Christian von Göler: Jedes zweite Unternehmen wurde bereits Opfer eines Hackerangriffs. Laut Global Risk Barometer ist Cyberkriminalität zum drittgrößten Geschäftsrisiko geworden. Spätestens seit dem Virus „Locky“ ist das Thema in aller Munde. Heutzutage kann jeder Schad- oder Verschlüsselungssoftware inklusive Datenverund -entschlüsselungstechnik im Internet kaufen und zur Wettbewerber-Diskriminierung, zur Lösegelderpressung oder einfach „aus Spaß“ einsetzen.

BVI-Magazin: Welche Schäden kann ein Cyberangriff auf ein Unternehmen zur Folge haben?

von Göler: Der Betriebsstillstand und der Umsatzverlust rangieren bei den Eigenschäden an oberster Stelle. Gefolgt vom Reputationsschaden. Die Kosten für das Ermitteln der Schadensursache sind ebenfalls hoch. Bei einem Verstoß gegen eine vertragliche oder gesetzliche Verpflichtung zum Datenschutz wird es auch strafrechtliche Verfolgung und Ansprüche Dritter auf Schadenersatz geben. Das größte Kostenrisiko dürfte allerdings die schnelle Hilfe, die Wiederherstellung von Technik, Prozessen und Daten sowie ein sofort greifender Notfallplan inklusive Unterstützung durch Anwälte und Kommunikationsspezialisten sein.

BVI-Magazin: In welcher Hinsicht gehören auch Immobilienverwalter zur Risikogruppe?

von Göler: Gefährdet ist jedes Unternehmen, sofern es mit dem World-Wide-Web verbunden ist und digitale Kommunikationsmittel nutzt. Unternehmen, die persönliche Daten wie Namen, Adressen, Bankverbindungen oder Geburtstage speichern und verarbeiten, haben laut Gesetz eine besondere Verantwortung. Der Verwalter arbeitet mit diesen Daten und gehört deswegen zur Risikogruppe. Das belegt die steigende Anzahl der Angriffe auf Immobilienverwalter.

BVI-Magazin: Können Sie die mit einem Schadenfall verbundenen Kosten beziffern?

von Göler: Die derzeit höchste Anzahl krimineller Fälle sind die Erpressungen nach ungewollter Datenverschlüsselung. Die erpressten Summen liegen oft „nur“ im dreistelligen Bereich. Doch für das Auffinden der Schwachstelle und die Datenwiederherstellung kommen fünfstellige Beträge zusammen. Bei Datenraub oder gar einer Zerstörung der technischen Infrastruktur reden wir schnell über sechsstellige Beträge. Das hängt allerdings von der Größe des Unternehmens ab.

BVI-Magazin: Mit welchen Konsequenzen für das Unternehmen müssen Immobilienverwaltungen bei einer Cyberattacke rechnen?

von Göler: Neben den o. g. bezahlbaren Schäden für Unternehmen sind sicherlich der Verlust der Reputation und eine Strafverfolgung, zu der die Behörden verpflichtet sind, entscheidend. Sie kosten im Zweifel die Existenz. Für Cyberangriffe besteht Meldepflicht, wenn es sich um einen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz handelt, z. B. wenn persönliche Daten entwendet werden. Wer durch unzureichende Sicherung seinen Datenbestand gefährdet oder die Schädigung eines Dritten begünstigt, ist Mitschuldiger und wird zur Rechenschaft gezogen.

BVI-Magazin: Wie kann man sich am besten gegen die Folgen von Cyberkriminalität absichern?

von Göler: So wenig wie möglich Angriffsfläche bieten! Dazu gehören die Implementierung technischer Lösungen und die Sensibilisierung der Mitarbeiter. Kein Unternehmen ist vor einem Angriff sicher. Schutz vor den finanziellen Folgen eines Angriffs kann eine Cyber-Police bieten. Sie gehört in der heutigen Zeit zur Grundsicherung eines jeden Unternehmens. Mit Fragekatalogen, Telefoninterviews und einer Risikobewertung vor Ort wird das Risikoprofil ermittelt. Der Firmeninhaber erfährt nicht nur eine wirtschaftliche Begleichung im Schadensfall, sondern auch Unterstützung bei der Erstellung eines Notfallplans, dem Krisenmanagement und der Kommunikation.

BVI-Magazin: Inwiefern schützen die Versicherungsleistungen auch die Wohnungseigentümergemeinschaft?

von Göler: Der Hausverwalter ist Treuhänder der Wohnungseigentümergemeinschaft. Insofern ist es denkbar, dass auch die WEG bei Verstößen gegen das Datenschutzgesetz in Anspruch genommen wird. In der neuen Datenschutzverordnung wurde die sogenannte gesamtschuldnerische Haftung eingeführt.

Das Interview führte Cornelia Freiheit.

Foto: BEST Gruppe

Einen Kommentar schreiben
Kommentieren