KIWI-Gründer Dr.-Ing. Christian Bogatu im Interview

Wenn sich die Tür von ganz allein öffnet

Vor kurzem entschied das Landgericht Frankfurt (Az.: 2-13 S 127/12), dass es in Mehrfamilienhäusern grundsätzlich verboten ist, nachts die Haustür zu verschließen, denn eine verschlossene Haustür kann für die Hausbewohner im Notfall – wenn sie keine Möglichkeit haben, ohne Schlüssel das Haus zu verlassen – zur Falle werden.

Das berührungs- und schlüssellose Türzugangssystem „KIWI“ für Hauseingangstüren von Mehrfamilienhäusern kann das Sicherheitsbedürfnis der Bewohner befriedigen, denn es funktioniert sowohl bei nicht abgeschlossenen Haustüren mittels des vorhandenen Türsummers als auch bei abgeschlossenen Haustüren mittels eines Motorschlosses mit einer sogenannten Panikfunktion. Das KIWI-Türzugangssystem überträgt die aus dem Auto bekannte Keyless-Go-Funktion auf die Haustür von Mehrfamilienhäusern.

Der KIWI-Transponder – genannt “KIWI Ki” – verbleibt bequem in der Tasche des Nutzers. Sein Gegenstück – der KIWI-Türsensor – befindet sich hinter dem Klingelpaneel an der Haustür. Nähert sich eine Person mit einem autorisierten KIWI Ki der Haustür auf ein bis drei Meter Entfernung, erkennt der KIWI-Türsensor automatisch den KIWI Ki und entriegelt die Haustür, indem er den Türsummer oder das Motorschloss aktiviert. Die Tür muss dann nur noch aufgedrückt werden. Die Tür kann auch über die webbasierte KIWI-App geöffnet werden. Mitgründer und Geschäftsführer für Produkt, Vertrieb und Marketing des Berliner Unternehmens KIWI. KI GmbH, Dr.-Ing. Christian Bogatu, weiß, welche Herausforderungen der Markt bietet.

BVI-Magazin: Wie ist die Idee zum schlüssellosen Türzugangssystem KIWI entstanden?

Bogatu: Die Idee entstand bereits 2007, als die Mitgründerin Dr.-Ing. Claudia Nagel mal wieder mit Aktenkoffer, Einkaufstüten, Handtasche und Kind auf dem Arm vor verschlossener Tür stand. Sie fragte sich, warum es für dieses Problem noch keine bessere Lösung gab. Im Herbst 2011 weihte sie mich in ihre Geschäftsidee ein: schlüssellose Haustüren. Gemeinsam mit unserem dritten Partner, Peter Dietrich, gründeten wir im Februar 2012 die KIWI.KI GmbH.

BVI-Magazin: Welche Hürden gab es von der Idee bis zur Umsetzung?

Bogatu: Zunächst musste eine Technologie gefunden werden, die die Sicherheit und den Datenschutz an den Haustüren gewährleistet und den schlüssel- und berührungslosen Komfort bietet, den wir unseren Kunden heute bieten. An der Technologie von KIWI haben wir zwei Jahre mit Hochdruck gearbeitet, bis sie die volle Marktreife hatte. Zudem sollten die Kosten für unsere Kunden später überschaubar sein. Um KIWI erfolgreich am Markt zu etablieren, mussten unsere Zielgruppen erschlossen werden und der Kontakt zu vielen Branchen-Playern aufgebaut werden. Unsere Kunden sind in erster Linie Hausbewohner, Verwalter, Hausmeister und Wohnungsbaugesellschaften, aber auch Dienstleistungsunternehmen wie die Post oder die Müllabfuhr. Heute konzentrieren wir uns besonders auf die schnelle, flächendeckende Ausstattung der Mehrfamilienhäuser mit unserem innovativen KIWITürzugangssystem. Gerade jetzt, da das nächtliche Verschließen der Haustür gerichtlich für unzulässig erklärt wurde – solange keine weiteren Vorrichtungen installiert werden, die ein Verlassen des Hauses im Notfall auch ohne Schlüssel ermöglichen –, sehen wir hier sehr großes Potenzial.

BVI-Magazin: Das Landgericht Frankfurt entschied, dass es in Mehrfamilienhäusern verboten ist, die Haustür nachts zu verschließen. Was bedeutet dieser Beschluss für die Wohnungswirtschaft und für KIWI?

Bogatu: Zunächst halten wir dieses Urteil für richtig und wichtig für den Schutz der Mieter. Das Urteil besagt auch nicht, dass ein Verschließen der Haustür in jedem Fall verboten ist, es besagt vielmehr, dass, um ein Verschließen zu ermöglichen, zusätzliche Vorrichtungen vorhanden sein müssen, die ein Verlassen des Hauses von innen jederzeit erlauben. Das KIWI-Türzugangssystem ermöglicht, Haustüren von innen und außen jederzeit schlüssel- und berührungslos zu öffnen. Dies funktioniert sowohl bei nicht abgeschlossenen Haustüren über den Türsummer als auch bei abgeschlossenen Haustüren, sofern diese über ein Motorschloss mit einer Panikfunktion verfügen, die es dem Bewohner ermöglichen, das Gebäude im Notfall von innen zu verlassen, auch ohne einen Schlüssel bei sich zu tragen.

Für Bewohner oder Eigentümer, die durch eine nicht abgeschlossene Haustür eine erhöhte Einbruchsgefahr sehen, kann KIWI also in Verbindung mit dem Einsatz von Motorschlössern mit Panikfunktion eine komfortable Lösung des vom Landgericht Frankfurt entschiedenen Problems sein. Eigentümer bzw. Hausverwaltungen, die sich gegen die Integration von Motorschlössern mit Panikfunktion entscheiden, sollten die Bewohner über den Gerichtsbeschluss informieren, damit ein Abschließen der Haustür verhindert werden kann und die Sicherheit der Bewohner im Falle eines Brandes gewährleistet ist.

BVI-Magazin: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher aus der Wohnungswirtschaft?

Bogatu: Das Feedback aus der Wohnungswirtschaft auf unser berührungs- und schlüsselloses Türzugangssystem ist sehr positiv. Hausverwalter und Bestandshalter sehen in KIWI eine echte Alternative zum rund 4.000 Jahre alten Schlüssel – die Vorteile liegen auf der Hand: Der Verwaltungsaufwand ist wesentlich geringer und die Immobilie wird durch die moderne Technik aufgewertet. Etwas langwieriger dagegen ist es, Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) von KIWI zu überzeugen, da die endgültige Entscheidung für KIWI meist erst im Rahmen von Eigentümerversammlungen getroffen wird, die in der Regel nur einmal pro Jahr stattfinden. Fast immer fällt die Entscheidung letztendlich aber positiv für KIWI aus.

BVI-Magazin: Welche Sicherheitsvorkehrungen werden von KIWI getroffen, um die Sicherheit des Systems zu gewährleisten?

Bogatu: Seit rund 4.000 Jahren steht der Schlüssel für Sicherheit – das wollen wir mit KIWI natürlich so weiterführen und ausbauen. Die vier Säulen unseres Unternehmens sind Effizienz, Komfort, Sicherheit und Datenschutz. Die Datensicherheit unseres Systems spielt bei uns also eine extrem wichtige Rolle und wird sehr ernst genommen. Wir setzen daher auf qualifizierte Sicherheitsexperten weltweit, die auf fundierte Erfahrungen in der Sicherheitstechnikbranche zurückblicken können. KIWI wurde gemeinsam mit Sicherheitsexperten entwickelt und wird von unseren Software- und Hardware-Experten stets auf dem neuesten Stand gehalten.

Bereits in der Entwicklungsphase wurde KIWI mehrfach von anerkannten IT-Experten getestet und für sehr gut und einzigartig befunden. Die Sicherheitsstandards von KIWI sind um ein Vielfaches höher als vergleichbare Technologien, z. B. Keyless- Go-Systeme für Autos. Die Kommunikation zwischen dem KIWI Ki und dem KIWI-Türsensor verläuft auf Basis von verschlüsselten Zufallszahlen. Mit dem zum Patent angemeldeten Verfahren ist es unmöglich, durch reines „Zuhören“ einen KIWI Ki zu kopieren oder zu identifizieren, da jede Kommunikation neu und einzigartig ist. Wenn ein KIWI Ki verloren gehen sollte, kann dieser über die KIWI-Hotline oder die webbasierte KIWI-App in Echtzeit deaktiviert werden. Wir tun also alles dafür, unseren Kunden den höchsten Sicherheitsstandard zu bieten.

julia.rubin@kiwi.ki
www.kiwi.ki

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