Steuervorteil war gestern, Zinsdumping ist heute

Wie die Europäische Zentralbank die Kreditvergabe anheizt

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank erhöht langfristig das Risiko von Verwerfungen am Immobilienmarkt. Das inverse Verhältnis von einem Zinsniveau, das niedriger als die Inflationsrate ist, bietet Grund zur Sorge, denn das Maß an freier Liquidität ist zu groß. Dadurch wird Sparen zur Vermögensbildung und als Grundstock für privaten Eigentumserwerb bestraft.

In den 1990er Jahren motivierten Sonderabschreibungen die Investitionen in Immobilien und trieben die Preise, zuletzt war es die Denkmal-AfA, heute tut es die Europäische Zentralbank (EZB). Sie verschenkt das Geld geradezu an die Notenbanken der Länder und will diese dadurch zur Kreditvergabe zwingen und die Konjunktur stimulieren. Von der Unabhängigkeit der Zentralbank ist da nicht mehr viel übrig. Die EZB lässt sich vor den Karren einer Defizitfinanzierungs-Politik spannen, doch dieses Modell zur Wirtschaftsankurbelung durch Ausgabeprogramme war noch nie nachhaltig tauglich.

So wird die Preisspirale in Gang gesetzt

Der Publizist und Politiker Oswald Metzger beschreibt die Situation in einer Ausgabe des Wirtschaftsjournals so: „In der Drogenszene nennt man das ‚Anfixen’. Man zieht sich Süchtige heran, indem man ihnen für billiges Geld harte Drogen andient. So treibt man sie dann in die teure Suchtabhängigkeit. Das ist absurd.“ Die Notenbanken sollen als Aufsichtsbehörden die Kreditausfallrisiken reduzieren, verführen aber die Banken zu massiver Kreditvergabe. Und so steigen die Immobilienpreise, weil durch niedrige Zinsen von zwei Seiten Nachfragedruck entsteht: Erstens suchen professionelle Vermögensverwalter nach soliden Anlagen, zweitens stellen Bezieher niedriger Einkommen jetzt fest, dass Miete teurer als Eigentum zu sein scheint.

Während die erste Gruppe die Sicherheit einer gut gelegenen Immobilie gegenüber einer hohen Rendite vorzieht, läuft die zweite Gruppe Gefahr, der Verführung des billigen Geldes zu erliegen und sich schlecht gelegene und unzureichend moderne Wohnungen aufschwatzen zu lassen. So schnappt die Liquiditätsfalle der EZB zu. Die Auswirkungen werden erst mittelfristig sichtbar werden.

So wird die finanzielle Stabilität der WEG gewahrt

Was können Verwalter tun, um die Gemeinschaften vor finanzschwachen neuen Eigentümern zu schützen? Problematisch wird es, wenn deren anfänglich noch vorhandene Liquidität verbraucht ist, wenn Wirtschaftskrisen zu Arbeitsplatzverlust führen oder steigende Zinsen oder Renovierungsaufwand die auf Kante genähte Finanzierung unerwartet verteuern. Denn das hieraus entstehende Ausfallrisiko wird von der Gemeinschaft getragen. Also: Erstens Wirtschaftspläne auskömmlich kalkulieren. Zweitens Instandhaltungsrücklagen ausreichend ansparen. Drittens Beschlüsse zu Fälligkeit der monatlichen Raten und Einklagbarkeit sauber formulieren. Viertens Mahnwesen straff verfolgen und hilfsweise die gesamte Jahresrate des Wirtschaftsplans beitreiben.

Ihr
Peter Patt
peter.patt@bvi-verwalter.de

Grafik: Onypix/Shutterstock

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